Klappentext

Berlin, fast zwanzig Jahre nach dem Mauerfall: Alina und Wolf ziehen an den grünen Rand der Stadt. Am Müggelsee, wo die Unterschiede zwischen Ost und West noch nicht verwischt sind, sieht Wolf sich aber zunehmend überfordert von dem alltäglichen Zusammenleben mit Alina. Als plötzlich Charlotte, seine frühere Geliebte, auftaucht, ergreift er die Flucht in ein erotisches Abenteuer. Alina schöpft Verdacht, und so überwindet Wolf "die Hölle der Verheimlichung" und ist überrascht über die Reaktion seiner Frau.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2009

Beatrice von Matt bedenkt Ralf Rothmanns neuen Roman "Feuer brennt nicht" mit viel Lob. Für sie ist der Autor längst zum einem "Großmeister seiner Zunft" herangewachsen, vergleichbar mit Handke, Genazino, Martin Walser. Besonders schätzt sie seine erzählerische Virtuosität, seine präzisen Beobachtungen, sein Talent, leichthändig Atmosphäre zu schaffen. Im vorliegenden Fall die von Friedrichshagen bei Berlin, wo die Hauptakteure, ein Schriftsteller und seine Freundin und seine Geliebte leben. Die Sexualität der Paare findet Matt ebenso "schonungslos" beschrieben wie die Symptome des Alterns des Schriftstellers Wolf. Einziger Kritikpunkt der Rezensentin ist, dass die beiden Frauen lange "ohne Eigenleben" bleiben. Wenn Rothmann ihnen dann aber Leiden zumutet, rettet er nach Ansicht Matts das Buch und läuft - im letzten Drittel - zu großer "Meisterschaft" auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2009

Respekt!, ruft Hubert Spiegel. Ralf Rothmann hält er ohnehin für einen der wichtigsten deutschen Gegenwartsautoren, da setzt dieser Roman dem Autor noch den Heiligenschein auf. Denn wer derart schonungslos und riskant einen Dichter vorführt im Strudel der Empfindungen und Verletzungen einer Dreiecksbeziehung, so gibt uns Spiegel zu verstehen, der hat die Glorie mindestens verdient. Spiegel hat hier gleich drei Bücher in einem: Berlinroman, Künstlerroman, Liebesroman. Der Schriftsteller Wolf trägt für Spiegel Züge des Autors. Um so erstaunlicher findet er seine Darstellung als "egozentrisches Sensibelchen". Ein Buch, findet Spiegel, so unbarmherzig wie glänzend erzählt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2009

Drei Romane stecken in Ralf Rothmanns "Feuer brennt nicht", zählt Rezensent Lothar Müller nach. Der eine dreht sich um einen alternden Schriftsteller und seine Erschöpfungserscheinungen: der wäre interessant. Ein zweiter, nicht minder autobiografisch mit voller Absicht anmutend, bezieht sich als Berlin-Roman auf Rothmanns Debüt "Stier" von vor zwanzig Jahren. Auch das, so Müller, wäre eine spannende Sache. Leider gewinnt der dritte Roman, der, den der Rezensent am wenigsten mag, hier die Oberhand. In ihm geht es um die Potenz des alternden Autors und um zwei Frauen, an denen er sie erprobt. Das ist nicht nur wenig aufregend, sondern hat überflüssigerweise noch seine anti-feministischen Pointen. Schade um ein Werk, glaubt man zu verstehen, das großes Potenzial gehabt hätte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.04.2009

Sehr eingenommen ist Rolf-Bernhard Essig von Ralf Rothmanns neuem Roman "Feuer brennt nicht". Er liest die Geschichte um den so empfindsamen wie selbstbezogenen Schriftsteller Wolf - für ihn eine Mischung aus Parzival, Hamlet und "Steppenwolf" Harry Haller -, seine Freundin Alina und seine Geliebte Charlotte auch als Geschichte einer scheiternden Liebe mit einem "melodramatischen Ende". Besonders hebt er die funkelnde Sprache des Autors hervor, dessen Beschreibungen von Wetter, Wald, Tieren, Straßen für ihn wie "kleine Prosagedichte" sind. Allerdings bewahrt dies Rothmann nach Einschätzung Essigs nicht davor, gelegentlich ins Konventionelle oder gar Peinliche abzugleiten - besonders bei den Sexszenen. Allerdings wiegt das für den Rezensenten nicht allzu negativ, zumal der "variantenreiche Rhythmus" von Rothmanns Sätzen in seinen Augen dem Roman etwas "unauffällig Beunruhigendes und Aufregendes" verleihen. Lobend äußert er sich auch über die gekonnte Figurenrede, die überzeugende Komposition des Buchs sowie die eingestreuten Reflexionen: "Der Mensch ist ein romantisches Röhrensystem ."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2009

"Ein selbstbewusster Flirt mit dem Kitsch", meint Rezensent Adam Soboczynski, der sich von Ralf Rothmann nicht allein mit einer Menge neuer Poesiealbumsweisheiten über Liebes- und Lebensstellungen des Schriftstellers versorgt, sondern gleichzeitig auch gut unterhalten fand. Da nun nicht viel passiere in diesem Roman, außer dass ein Schriftsteller schreibe und liebe, und dies mal mehr mal weniger intensiv, käme natürlich jeder Körperfalte höchste Tiefsinnigkeitsstufe zu. Doch der Rezensent blickt gern in die präsentierten Falten und freut sich dabei an jedem noch so winzigen Mehrwert. Auch die mit den Liebesversuchen einhergehenden Milieubeschreibungen aus einem "diffusen Nachwende-Ostberlin" scheinen zum Lesevergnügen Soboczynskis erheblich beizutragen, der schlicht wunderbar findet, wie Rothmann "einen beiläufigen Kuss", den "Flugverlauf einer Möwe" und "satte Milieubeschreibungen" miteinander zu verschränken versteht. Und zwar schutzlos, ohne Ironie, ganz ernst und pathetisch.