T.C. Boyle

Ein Freund der Erde

Roman
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446199750
Gebunden, 360 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Richter. Wir schreiben das Jahr 2025: Der Treibhauseffekt hat voll zugeschlagen, im Loiretal wird nicht mehr Wein, sondern Reis angebaut, die meisten Säugetiere sind ausgestorben und das Essen ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Ty Tierwater, militanter Umweltschützer, verbrachte mehr Zeit im Knast als in der freien Natur. Da taucht eines Tages seine zweite Frau Andrea mit einem ganz besonderen Anliegen auf ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2001

Michael Schmitt kann sich mit diesem Buch offenbar nicht wirklich anfreunden und bezeichnet es als "eine relativ schlichte Farce über den Niedergang von ein paar gottverlassenen Spinnern", die ursprünglich angetreten sind, um die Welt zu retten, doch letztlich an ihrer eigenen persönlichen Schwäche scheitern. Das "Horrorszenario", das Boyle beschreibt, wenn im Jahre 2025 die meisten Tiere ausgestorben sind und auch die meisten Amerikaner - wegen fehlender Krankenversicherung - von einer Seuche bedroht sind, scheint Schmitt zwar zumindest teilweise wegen Boyles Phantasie Sarkasmus zu gefallen. Doch dass "am Ende die Rettung ins geradezu kleinbürgerlich Private steht", und dem Protagonisten "inmitten umgestürzter Bäume und an der Seite seiner Ex-Frau endlich Ruhe zuteil wird", findet Schmitt dann geradezu haarsträubend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.05.2001

Den Autor nennt der Rezensent einen Vielschreiber. Einem Überblick über das an Weltuntergangsszenarien nicht gerade arme Werk Boyles folgt in der Rezension von Lutz Hagestedt der wenig euphorisch klingende Satz: "Und in 'Ein Freund der Erde' wird uns erneut die Apokalypse verkündet." Wenn Hagestedt dann auch noch den "bösen Witz" des Autors (Gutmenschen kriegen ihr Fett ab) und die "bis zum Abwinken grelle" Bildlichkeit seines "hochtourigen" Erzählens wie schal gewordene Bekannte vorstellt, ist eine Parenthese ("... muss nicht gegen die Qualität des Romans sprechen") auch wirklich nötig, um das Buch zu retten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2001

Zum Aufmacher der Buchmessen-Beilage macht Dirk Knipphals den jüngsten Roman des amerikanischen Schriftstellers T.C. Boyle, bei dem es Knipphals zufolge um Ökoterrorismus geht, ein Thema, das der Autor klug und keineswegs vereinfachend abhandele. Boyle interessierten die Widersprüche, in die sich seine Protagonisten verwickelten, ein radikales Umweltschützer-Paar und dessen Tochter, die zur Ikone der Bewegung aufsteigt. Er spiele mit dem apokalyptischen Denken, das in Amerika auch theoretische und literarische Wurzeln geschlagen hat, ohne dass er die damit verbundene Naturvergötzung imitiere oder nachvollziehe. Knipphals verleiht seiner Bewunderung Ausdruck dafür, in welchem Maße es Boyle gelinge, bei diesem Thema die Natur nicht zu verkitschen oder zu verharmlosen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Nach Walter von Rossum ist dem Autor hier "ein aufregendes Buch gelungen", insbesondere deswegen, weil es "jenseits von Optimismus und Pessimismus einfach nur von unlösbaren Problemen handelt". Diese unlösbaren Probleme sind, wie der Rezensent erläutert, vor allem Umweltverschmutzung und die herannahende Klimakatastrophe, gegen die der Protagonist in zunehmend militanter Art anzukämpfen versucht und dabei mit den Realitäten in Konflikt gerät. Das Buch bewegt sich nach Rossum in zwei Zeitebenen: die Jahre um 1989 und um 2025/26, wobei dem Rezensenten besonders gut gefällt, dass der Autor einen "spannenden Reißer" geschrieben und gleichzeitig die "action drift" gezügelt hat, indem er nämlich den Ausgang der Geschichte gleich zu Anfang des Buchs vorweggenommen hat. Was den Rezensenten darüber hinaus besonders beeindruckt, ist, dass der Autor in Wirklichkeit nicht etwa von einer fernen Zukunft spricht, sondern die Zeit um 2025 als "endlose Ausdehnung unserer Gegenwart" begreiflich mache.