T.C. Boyle

Das Licht

Roman
Cover: Das Licht
Carl Hanser Verlag, München 2019
ISBN 9783446261648
Gebunden, 384 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren. Endlich wird der aufstrebende wissenschaftliche Assistent Fitz auf eine der LSD-Partys seines Professors Leary in Harvard eingeladen. Er erhofft sich davon einen wichtigen Karriereschritt, merkt aber bald, dass Learys Ziele weniger medizinischer Natur sind; es geht dem Psychologen um eine Revolution des Bewusstseins und eine von sozialen Zwängen losgelöste Lebensform. Fitz wird mitgerissen von dieser Vision, mit Frau und Sohn schließt er sich der Leary-Truppe an: Sie leben in Mexiko, später in der berühmten Kommune in Millbrook, mit Drogen und sexuellen Ausschweifungen ohne Ende.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.02.2019

Tolle Idee, einen Roman über Timothy Leary und seine Psychonauten zu schreiben, findet Rezensent Christoph Schröder. Der Harvard-Psychologe war die wissenschaftliche Instanz, die den radikalen Individualismus der Hippies nobilitierte. Allerdings wurde er mit seinen um sich gescharten Jüngern bald von der Universität und nach Mexiko vertrieben. Boyle erzählt die Geschichte aus der Sicht eines jungen Leary-Mitarbeiters, Fitz Loney, der mit seiner Frau seinem Guru durch sämtliche Höhen und Tiefen folgt. Dass der verheißungsvolle Trip am Ende in große Ernüchterung mündet, hat der Rezensent erwartet. Aber dass Boyle für seine spannende Geschichte, für all die Rauschzustände und Entgrenzungserfahrungen eine so konventionelle, ja geradezu brave Form findet, erstaunt ihn schon. Etwas "mehr experimentelle Fantasie" hätte dem Roman nicht geschadet, meint Schröder.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.02.2019

Es ist nicht wirklich ein Kompliment, wenn Rezensentin Iris Radisch konstatiert, T. C. Boyle erzähle die Geschichte von Timothy Learys Psychedelikforschung "smart und rountiniert herunter". Sowohl der Stoff (Beginn der amerikanischen Gegenkultur um 1960), als auch die Herangehensweise (über eine prominente Figur der Zeitgeschichte) sind der Rezensentin aus Boyles Werk bereits bekannt. Dass der Autor das Spießer-Ehepaar, aus dessen Perspektive er die Geschichte von Learys in den Exzess abgleitender LSD-Forschung erzählt, am Ende vor dem Scherbenhaufen ihrer bürgerlichen Existenz stehen lässt, ist für Radisch eine "absolut jugendfreie Pointe" und kann sie ebensowenig überzeugen wie der nüchtern-wissenschaftliche Protokoll-Ton, in dem Boyle die Drogenexperimente beschreibt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.02.2019

Rezensentin Petra Kohse möchte gar nicht von den Untiefen der Fakten-Fiktion sprechen, die sich in T. C. Boyles neuem Roman finden: Wikipediahaftes, bemühtes Abhaken von Timothy Learys Lebensstationen etwa, denn es geht um LSD und wie Learys Jünger durchs Dunkel zu den Sternen streben. Kohse möchte sich freuen über den neuen, den vertrauten Boyle, der hier seine angestammten Themen zusammenführt und an Learys Geschichte entlang erzählt. Wie er das macht, echt, seelentief, sprachlich leicht, findet Kohse wie immer überzeugend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2019

Rezensent Andreas Platthaus freut sich: Endlich wieder ein geglückter Roman von T. C. Boyle. "Die Terranauten" waren für ihn offenbar alles andere als das. Wenn Boyle nun die 60er Jahre, Timothy Leary und seine Gemeinde, LSD und das böse Erwachen nach der Euphorie der Träume einer freien Gesellschaft thematisiert, sieht Platthaus Boyles erzählerische Tugenden zurückkehren, die lakonische Ironie etwa, die der Übersetzer Dirk van Gunsteren laut Platthaus gewohnt gekonnt transportiert. Mit Leary, meint er, hat der Autor sich eine geradezu ideale Romanfigur gewählt, ideal, um das Scheitern der Ideale an der Gesellschaft und der eigenen Hybris zu veranschaulichen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2019

Gerhard Matzig fühlt sich in T. C. Boyles neuem Roman sauwohl. Die hoffnungsvollen sechziger Jahre in den USA mit Cool Jazz, Martinis, LSD und all den schönen Verheißungen der Moderne lässt ihn Boyle hautnah miterleben. Dass auf den beschwipsten Utopismus der Kater folgt, ahnt Matzig, doch er kommt zum Glück erst 400 Seiten später. Da hat der Rezensent sich schon gut eingelesen und erkannt, dass Boyle nicht einfach einen späten Beatnik-Roman vorlegt, sondern wieder einmal temporeich die Differenz zwischen "drinnen" und "draußen" auslotet, die Möglichkeit des richtigen Lebens im falschen und die Sehnsucht nach dem Ausbruch aus allem. Für Matzig nur allzu gut nachzuvollziehen.
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