Aus dem Englischen von Anna und Wolf Heinrich Leube. Atticus Turners Gefühle für seinen Vater waren schon immer zwiespältig. Doch als der verschwindet, macht Atticus sich wohl oder übel auf die Suche. Auch wenn die Spur nach "Lovecraft Country" in Neuengland führt, Mitte der 50er Jahre ein Ort der schärfsten Rassengesetze in den USA. Mit Hilfe seines Onkels George, Herausgeber des "Safe Negro Travel Guide", und seiner Jugendfreundin Letitia gelangt Atticus bis zum Anwesen der Braithwhites. Hier tagt eine rassistische Geheimloge, mit deren Hilfe Braithwhite junior nichts weniger als die höchste Macht anstrebt. Matt Ruff erzählt die wahnwitzigen Abenteuer einer schwarzen Familie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2018
Tobias Sedlmaier vergleicht Matt Ruffs Roman mit Colson Whiteheads Roman "Underground Railroad". Hier wie dort, meint er, wird reale Diskriminierung mit Fantastik versetzt. Die Geschichte um einen Army-Heimkehrer im Jahr 1954, der für Lovecraft schwärmt und bald selbst Erlebnisse machen muss, die seiner Lektüre zu entstammen scheinen, erzählt der Autor laut Sedlmaier mit einem Faible für Brüche, temporeich und gruselig. In dem Episodischen des Textes erkennt der Rezensent die ursprüngliche Anlage als TV-Serie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.09.2018
Ulrich Baron liest diesen Roman als Antwort auf einen Essay, in dem die amerikanische Autorin Pam Noles beklagte, dass Schwarze in Science-Fiction und Fantasy keine Rolle spielten. Selbst die diversifizierten Romane Ursula LeGuins wurden zur besseren Vermarktung einem Whitewashing unterzogen, weiß Baron. In einem Akt nachholender Gerechtigkeit also erzähle Matt Ruff in "Lovecraft County" die Geschichte von Atticus Turner, der als schwarzer Nachfahre einer Magierfamilie in den fünfziger Jahre übel vom weißem Zweig seiner Familie gemobbt wird. Dass die Geschichte etwas überkandidelt ausfällt, nimmt Baron vor diesem Hintergrund nicht übel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2018
Rezensent Wolfgang Schneider liest Matt Ruffs Versuch einer Lovecraft-Hommage inklusive Teufelsaustreibung mit gemischten Gefühlen. Dass die Figuren bei Ruff allesamt Schwarze sind und das Setting im Jahr 1954 wie bei Lovecraft von Misstrauen und Hass bestimmt ist, sorgt zwar für Lovecraft-Atmo, versichert Schneider, der den Rassismus beim Lesen förmlich zu spüren meint. Die angepeilte Antirassimus-Sensibilisierung scheint ihm auf Dauer allerdings doch zu pädagogisch berechenbar. Dass schwarze Figuren emphatisch, weiße jedoch ausnahmslos als Karikaturen gezeichnet werden, ist ihm zu viel "affirmative action". Der Mangel an psychologischer Tiefenwirkung lässt Schneider das Grauen zudem eher gleichgültig erfahren.
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