Barbara Felsmann

Beim kleinen Trompeter habe ich immer geweint

Kindheit in der DDR - Erinnerungen an die Jungen Pioniere
Cover: Beim kleinen Trompeter habe ich immer geweint
Lukas Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783931836559
Gebunden, 375 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Bürger aus den neuen Bundesländern bedauern häufig, daß es eine solche Organisation, die sich um den Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen kümmert, nicht mehr gibt, und den Altbundesbürgern fällt meist nur der Vergleich zur Hitlerjugend ein. Barbara Felsmann führte zahlreiche Gespräche sowohl mit ehemaligen Pionieren als auch mit Menschen, die sich der staatlichen Organisation verweigerten, und ließ sie von deren Erlebnissen, Konflikten und Träumen in ihrer Kindheit in der DDR berichten. Besonders interessierte die Herausgeberin, wie diese Erlebnisse das spätere Leben der Befragten prägten, welche unterschiedliche Wege sie, obwohl sie doch alle zu "klassenbewußten Sozialisten" erzogen werden sollten, schließlich gegangen sind. Die Berichte werden flankiert und teilweise gebrochen von historischen Dokumenten, beispielsweise von Zitaten aus dem "Handbuch der Pionierleiter", aus den Zeitschriften "Trommel" und "Frösi", aber auch aus Kinderaufsätzen. Am Ende des Buches findet sich eine Zeittafel mit wichtigen Daten und Fakten von der Gründung bis zur Auflösung der Organisation.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2004

Ganz nützlich, aber insgesamt nicht gelungen findet Detlef Kühn diese Veröffentlichung. Man hätte es beim Hauptteil belassen sollen, den verschiedenen, auch durchaus heterogenen Erinnerungen an Kindheit und Jugend in der DDR - speziell an die Jungen Pioniere, aber auch an alle anderen "Facetten des Lebens". Besonders Leser aus dem Westen könnten hier vieles "über System und Alltag in der DDR" erfahren, zudem sei die Einleitung von Klaus-Dieter Felsmann sehr lesenwert. Den Rest, einen seltsamen Rechtfertigungsbeitrag des letzten Vorsitzenden der Jungen Pioniere und einen hundertseitigen Anhang mit immerhin ganz brauchbaren Begriffserklärungen, aber auch unkommentiertem Dokumentationsmaterial, hätte der Rezensent weggelassen - der übertriebene "Ehrgeiz, nicht nur ein Erinnerungsbuch, sondern mindestens auch eine Materialsammlung für eine politische Geschichte der Jungen Pioniere zu veröffentlichen" offenbare am Ende nämlich nur, dass eine kritische Geschichte der Organisation nach wie vor fehlt.

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