Josef Mengele (1911-1979), Sohn einer Günzburger Unternehmerfamilie, war einer jener Mediziner, die auf der Rampe von Auschwitz Abertausende in die Gaskammern schickten, und er nutzte seine Verfügungsgewalt über die Gefangenen zu grausamen Menschenversuchen mit meist tödlichem Ausgang. Als "Todesengel" von Auschwitz war er jahrelang der meistgesuchte NS-Verbrecher der Welt. Sven Keller analysiert die Projektionen, mit denen die schwäbische Kleinstadt von außen belegt wurde, und die Reaktionen von Bürgern und Kommunalpolitik auf den "Günzburg-Mythos" - ein Mythos mit immerhin einem wahren Element: Als 1985 bekannt wurde, dass Josef Mengele sechs Jahre zuvor beim Baden ertrunken war, erfuhr die Öffentlichkeit auch, dass der engste Familienkreis bis zuletzt Kontakt mit ihm gehalten und noch seinen Tod verschwiegen hatte.
Josef Mengele, als Lagerarzt von Auschwitz einer der bekanntesten NS-Verbrecher, entstammte einer Unternehmerfamilie aus der schwäbischen Kleinstadt Günzburg, informiert uns Dirk Walter. Kein Wunder also, dass viele der Mythen, die um Mengele, seine Flucht und seinen Tod ranken, in dieser Stadt ihren Ausgang nahmen. Diese sind Thema der Magisterarbeit von Sven Keller, mit der Rezensent Walter jedoch nicht ganz einverstanden ist. Zwar untersuche der Autor Mengeles Fluchtweg mit "stupender Genauigkeit", doch seine Schlussfolgerungen behagen dem Rezensenten nicht ganz. Seiner Meinung nach laufen sie auf eine Entlastung der Stadt hinaus, die zwar- im Gegensatz zu Mengeles wohlunterrichteter Familie - nicht wissen konnte, wo der Massenmörder steckt, aber dennoch jahrelang einen "passiven und beschönigenden Umgang" mit dem Problem Mengele pflegte.
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