Die Pläne, Hitler zu stürzen, sind vergleichsweise gut erforscht. Weitgehend unbekannt ist jedoch die nationalrevolutionäre Gruppierung aus dem Umfeld der berühmt-berüchtigten "Brigade Ehrhard", die vor allem seit 1938 bis 1940 mit eigenen konspirativen Plänen und Gesellschaftsentwürfen Einfluß auf den geplanten Staatsstreich der nationalkonservativen Opposition von Ludwig Beck und Carl Goerdeler zu nehmen versuchte. Zu diesem Netzwerk ehemaliger Freikorpskämpfer um Wilhelm Canaris und Hans Oster zählten unter anderem der spätere CSU- Landesgeschäftsführer Dr. Franz Maria Liedig und der im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 hingerichtete SS-Führer Hartmut Plaas. Im Mittelpunkt des Buches steht Friedrich Wilhelm Heinz, der im Nachkriegsdeutschland den Nachrichtendienst im "Amt Blank" leitete. Heinz ist der Idealtypus des zwischen Links und Rechts, Rebellion und Abenteuer, Anpassung und Widerstand schwankenden nationalrevolutionären Freikorpskämpfers. Sein Lebensweg vom preußischen Leutnant des Ersten Weltkrieges zum Verschwörer gegen Hitler illustriert die Geschichte der Nationalrevolutionäre, ihren Anteil am Aufstieg der NSDAP und ihre Rolle und Bedeutung im konservativen Widerstand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2000
Rainer Blasius ist sehr angetan von dieser Dissertation. Es behandele ein weitgehend unerforschtes Thema, so der Rezensent erfreut, und biete viele unbekannte biografische Hinweise über Heinz und seinen Kreis. Die Autorin lege die Beziehungen zwischen den völkisch-radikalen Freikorps, Wehrverbänden und Geheimbünden "überzeugend frei", lobt der Rezensent. Nur der These Meinls, dass die Nachkriegskarriere Heinz` dem Leiter der Hauptabteilung für innere Angelegenheiten und späteren Chef des Bundeskanzleramtes, Hans Globke, zu verdanken sei, widerspricht Blasius. Doch das schmälert seine Wertschätzung der Untersuchung in keiner Weise, wie er betont.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2000
Hubert Leber begrüßt es sehr, dass hier ein Buch zu dieser Thematik erschienen ist, zumal es in jüngster Zeit in äußerst rechten Kreisen Tendenzen gebe, durch den "nationalrevolutionären Widerstand" den Nationalsozialismus selbst zu relativieren. Gerade deswegen hält Leber eine ernsthafte Beschäftigung mit der Thematik für dringend geboten. Dabei lobt er nicht nur die erhebliche Menge an Material, das die Autorin zusammen getragen hat, sondern auch - trotz dem Schwerpunkt auf die Geschichte des Friedrich Wilhelm Heinz - die zahlreichen Aspekte, die sie in ihrer Darstellung berücksichtigt hat. Zwar sei es dadurch bisweilen nicht leicht, "den Überblick zu behalten", so Leber, andererseits lobt er den Stil der Darstellung als angenehm lesbar. Lediglich ein "resümierendes Schlusskapitel" hätte sich der Rezensent gewünscht, der in seiner Rezension sehr anschaulich den Lebenslauf des Friedrich Wilhelm Heinz skizziert und dabei ein Bild von dessen - selbst in eigenen Kreisen oft äußerst umstrittenen - nationalsozialistischer Gesinnung zeichnet.
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