Aus dem Amerikanischen von Matthias Fienbork. Was Francisco Cantú an der amerikanisch-mexikanischen Grenze erlebt, bringt ihn fast um den Verstand. Cantú hat Politik studiert und wollte am eigenen Leib erfahren, was an der Grenze wirklich geschieht. Als Mitglied der United States Border Patrol rettet er Verdurstende aus der Wüste, deportiert aber auch illegale Einwanderer oder erlebt, wie Familien auseinandergerissen werden. In seiner persönlichen Reportage zeigt er, was Grenzen für die Menschen wirklich bedeuten.
Rezensent Lennart Laberenz hat von der preisgekrönten Reportage des Ex-Grenztrupplers Francisco Cantú offenbar eine Art Enthüllungsbericht über die amerikanische Customs and Border Protection erwartet, die die Grenze der USA zu Mexiko bewacht. Denn über die hatte er ja schon viel Schauerliches - von Drogenschmuggel bis Vergewaltigung - gehört, weshalb es ihn nicht erstaunt, dass Cantú die Organisation letztlich eine "zerstörerische Maschinerie" nennt. Nur was genau sie tut, hat der Autor dem Kritiker offenbar nicht klargemacht. Stattdessen verliere er sich in Beteuerungen seiner naiven Gutherzigkeit und einer klischeehaften Idealisierung bürgerlicher Tugenden wie Familie und Fleiß, schließt der enttäuschte Rezensent.
Einen ebenso lehrreichen wie "verstörenden" Beitrag zur europäischen Grenzdebatte annonciert Rezensent Thomas Kurianowicz mit dieser Reportage des amerikanischen Politikwissenschaftlers Francisco Cantu, der während seines Studiums für die amerikanische Border Patrol die amerikanisch-mexikanische Grenze in Arizona, New Mexico und Texas bewachte. Der Kritiker liest hier nicht nur, wie vor Hunger, Durst und Verzweiflung zitternde Flüchtlinge aufgelesen, inhaftiert und nur mit Wasser und Kräckern versorgt oder Schwangere zurückgeschickt werden, sondern erfährt auch, dass Cantu seinen Dienst nach vier Jahren aufgrund von Albträumen und Magengeschwüren quittieren musste. Angesichts der ohnehin drastischen Schilderungen hätte Kurianowicz allerdings gern auf Cantus zur Schau gestellte "Betroffenheit" verzichtet, zumal der Autor das zentrale Problem umgehe: Wie staatliche Souveränität und Menschlichkeit sich vereinen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2018
Derart "literarisch offene" und "essayistisch reflektierte" Einblicke ins amerikanisch-mexikanische Grenzgebiet hat Rezensent Nicolas Freund bisher noch nicht bekommen. Er folgt dem ehemaligen Grenzschützer Francisco Cantu hier fasziniert ins mexikanische Ciudad Juárez, Hochburg von Drogenkartellen und Schauplatz unzähliger Morde an Frauen, wähnt sich bisweilen in einem Hollywood-Drogenthriller und erfährt ganz nebenbei auch einiges über die historische Entstehung der Grenze. Dass Cantu seine persönlichen Erfahrungen recht "komprimiert" darstellt und verschiedene Charaktere mitunter zusammenfasst, führt ihn zwar ab und an in die Nähe des Klischees, meint der Kritiker, der Cantu das aber angesichts der Komplexität dieser literarischen Reportage nicht übel nimmt.
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