Sudhir Kakar

Die Frau, die Gandhi liebte

Cover: Die Frau, die Gandhi liebte
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529122
Gebunden, 302 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Karl-Heinz Sieber. Eine junge Engländerin aus bestem Hause, die zur wichtigsten Gefährtin Gandhis in der Auseinandersetzung mit der britischen Kolonialmacht wird: ein weiter Weg, eine überraschende Biografie. Der indische Psychoanalytiker Sudhir Kakar erzählt die Geschichte der Begegnung von Gandhi und Mira-behn und das Leben dieser höchst ungewöhnlichen Frau. Im Jahr 1925 machte sich eine 33jährige junge Lady - Tochter eines englischen Admirals - auf den Weg nach Indien. Ihr Ziel: ein 56 Jahre alter indischer Rechtsanwalt, ein ehemaliger Häftling der britischen Krone, der einige Jahre zuvor die Hoffnung Indiens auf die Befreiung vom britischen Kolonialjoch verkörpert hatte. 1925, im Jahr ihrer Ankunft, schien politisch Ruhe eingekehrt, und Gandhi war mit Spinnen beschäftigt, als die junge Engländerin in seinen Ashram - und damit in sein Leben eintrat. Sudhir Kakar erzählt - auf einen reichen Fundus von Briefen und Dokumenten gestützt - wie sich die höchst ungleiche Beziehung entwickelte, wie Gandhi die junge Adeptin aufnahm, wie sie in die politische Mission Gandhis hineinwuchs und wie sich gleichsam in einer anderen Dimension Gefühle entwickelten, die nicht immer beherrschbar und teilweise unvereinbar waren mit den tiefsten Überzeugungen der eigenen Lebensaufgabe. Gandhi wollte sich von seiner Umgebung möglichst unabhängig machen, sich von Bindungen lösen, um seine Ziele zu verfolgen, Mira, wie Gandhi Madeline Slade nannte, suchte die absolute Nähe, um sich ihm, den sie zutiefst verehrte, völlig auszuliefern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2006

Dieser halbdokumentarische Text, in dem der Psychoanalytiker Sudhir Kakar die Beziehung zwischen Mahatma Gandhi und der in Mirabehn umbenannten Engländerin Madeline Slade schildert, hat in Indien für Empörung gesorgt, weiß die Rezensentin Dorion Weickmann. In der Tat erscheine der indische "Nationalheilige" darin nicht immer im besten Licht. Nach der Lektüre von Romain Rollands schmalem Gandhi-Bändchen, erklärt die Rezensentin, treibt es Slade 1925 in Gandhis Aschram nach Indien. Für die Rezensentin ist dieses Buch zweierlei: die Beschreibung eines "Kampfes um Selbstbeherrschung" sowie die Schilderung einer "Beziehung, die am Zusammenprall zweier Welten, zweier Liebes- und Lebensphilosophien scheitert". In der Tat gehe aus den Dokumenten (Madelines Tagebücher, Gandhis Briefe und einige Augenzeugenberichte) hervor, dass Gandhi zunächst Madelines hingebungsvolle und ausufernde Liebe erwiderte, um sie dann abzuwehren, ohne jedoch jemals ihrer beider Zusammenarbeit eine Ende zu bereiten. Kakar ist mit "Die Frau, die Gandhi liebte", so das Fazit der Besprechung, das "lebendige Porträt einer Schicksalsverflechtung, die am Ende in trostloses Schweigen mündet", gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.08.2005

Als das vielleicht "passionierteste platonische Liebesverhältnis aller Zeiten" bezeichnet Claudia Wenner " die Liebe zwischen Mahatma Gandhi und Madeline Slade, der der indische Psychologe und Autor Sudhir Kakar hier nachgeht. Wie Wenner erzählt, führte die Liebe zu Beethoven die etwas überspannte Madeline Slade erst zu dem französischen Schriftsteller Romain Rolland und von diesem zu Gandhi. Als Slade nach Indien kam, warf sie sich ihm zu Füßen und trat in einen Sabarmati-Ashram ein, wo sie das asketische Leben einer Satyagrahi führt, deren gewaltloser Widerstand, wie Wenner erklärt, "auf absoluter Selbstdisziplin" basierte. Genannt wird sie Mirabehn. Eindringlich führe Kakar vor Augen, lobt die Rezensentin, wie schlecht sich Mirabehns Sehnsucht nach "vollkommenen Hingabe an einen lebendigen Gott" mit Gandhis "Streben nach universaler Liebe" verträgt. Insgesamt hat Wenner das Buch mit großem Gewinn gelesen, auch wenn sie ein schludriges Lektorat moniert und nicht unhinterfragt stehen lassen will, dass Madeline Slade wirklich eine tragisch gescheiterte Frau war. Dies sei sie nur nach unseren heutigen Maßstäben.