Steven Carroll

Die Kunst des Lokomotivführens

Roman
Cover: Die Kunst des Lokomotivführens
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2006
ISBN 9783935890373
Gebunden, 269 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Anfang der fünfziger Jahre in einem Vorort von Melbourne: An einem warmen Sommerabend gehen Vic, Rita und ihr Sohn Michael die Straße hinunter zum Haus von George Bedser, der die ganze Nachbarschaft zur Verlobungsfeier seiner Tochter eingeladen hat. Vic ist Lokomotivführer und träumt vom "Big Wheel", davon, die großen Personenzüge zu führen, genau wie sein Lehrmeister Paddy Ryan, der in diesem Moment auf der Strecke nach Sydney ein Haltesignal überfährt und seine Passagiere in Lebensgefahr bringt. Es wird langsam dunkel, und am Ende der Straße, unweit vom Haus der Bedsers, taucht ein schwarzer Wagen auf. Patsy Bedsers heimlicher Geliebter, Jimmy, ist gekommen, um den Verlobten zu gratulieren und Patsy ein letztes Mal zu sehen, bevor er das Land verlässt. Als er endlich den Mut findet, das Haus zu betreten, haben sich Vic, Rita und Michael schon längst unter die Partygäste gemischt, und Paddy Ryan hat sein zweites Haltesignal überfahren. Keiner der Anwesenden ahnt, dass die heutige Nacht sein Leben für immer verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2007

Lesenswert, aber nicht besonders überragend findet Rezensent Ulrich Baron diesen Roman, dessen Anfang ihn zu sehr an Thornton Wilders "Our Town" erinnert und dessen tragische Geschichte ihm dramaturgisch nicht angemessen genug gestaltet ist. Die ganze Geschichte vom Versagen eines Lokomotivführers und daraus folgendem Unglück sei zu episch, zu didaktisch angelegt, um echte Sprengkraft zu entfalten. Kaum wende sich die Geschichte einer Person zu, verwandele diese sich in einen Ich-Erzähler und rede von sich selbst. So gleicht die epische Inszenierung des Romans aus Sicht des Rezensenten einer Party, deren "eifriger Gastgeber" immer wieder die besten Gespräche unterbricht, um neue anzubahnen. Das findet er manchmal sogar gut, insgesamt aber nicht gut genug.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2006

Steven Caroll beschreibe das Leben ganz normaler Menschen in einem ganz normalen Vorort von Melbourne, skizziert Rezensent Gerhald Schulz den Plot, und zwar anhand eines schönen Tages, an dem Padsy sich mit dem Klempner verlobt. Innerhalb der vielen Lebensgeschichten der vielen Feiergäste stehe allerdings Vic, der Eisenbahner, im Vordergrund, samt seiner höheren Philosophie des Eisenbahnfahrens. Ausdrücklich lobend erwähnt der Rezensent an dieser Stelle, dass der Autor alle bekannten Formen von australischer Folklore wie Känguruhs oder Koalabären außen vor lässt. Leider aber "verschenke" der Autor mitunter so schöne Motive wie das der Epilepsie von Vic, und auch bei den verschiedenen Zeitebenen habe er kein glückliches Händchen.

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