Aus dem Amerikanischen von Heidi Zerning. Saul Karoo ist Anfang 50, lebt in New York und nennt sich Skriptflicker; tatsächlich ist er einer der gesuchtesten und erfolgreichsten Profis im Umschreiben mißglückter Drehbücher. Karoo ist ein Mann in einer tiefen Lebens- und Sinnkrise - er steckt fest in einer endlosen Scheidung, verachtet seinen Job, sich selbst, die Gesellschaft der superreichen Kultursnobs, in der er sich zumeist bewegt. Er raucht zuviel, trinkt zuviel, ist zu dick und leidet am nüchternen Blick, d.h. er kann nicht mehr betrunken werden. Der nüchterne Blick ist aber nur eine seiner immer zahlreicher werdenden neurotischen Krankheiten, mit denen er sich über seinen wahren gesundheitlichen Zustand hinwegtäuscht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2000
Alexander Kissler offenbart sich selbst beinahe als Zyniker, wenn er anmerkt, dass in ferner Zukunft dieser Roman Historikern und Ethnografen als Idealquelle dienen dürfte bei der Erforschung des "Psychogramms eines prototypischen Angehörigen des späten zwanzigsten Jahrhunderts". Denn Saul Karoo, der Held des Romans, steht gewissermaßen unter Flunker-Zwang, er muss immer mindestens ein Parallel-Universum parat haben, um das von ihm selbst kreierte Image von sich bewahren zu können. Das Schlimmste ist für Karoo, so der Rezensent, Intimität, etwas eigenes in sich zu tragen, etwas Individuelles, Authentizität. Hier bastele einer "sein Lebensdesign aus dem Setzbaukasten". Aber so angeekelt sich Kissler von Karoo und Co. fühlt, so begeistert schwärmt er für Tesichs Roman selbst. "Brilliant formuliert, klug durchdacht, verblüffend komisch und abgründig traurig", so lautet nur ein Ausschnitt der Lobeshymne Alexander Kisslers.
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