Auffällig an der Literatur zum Thema Neoliberalismus ist, dass eine kohärente, in den Kontext der Ideengeschichte eingebettete und strukturierte Darstellung der neoliberalen Theorie nicht geleistet wird. Zumeist wird die Wirtschaftspolitik untersucht, die als neoliberal bezeichnet wird. Eine systematische Auseinandersetzung muss demgegenüber folgenden Fragen nachgehen: (1)Welches Interesse verkörpert der Neoliberalismus, auf welche theoretischen Strömungen ist er eine Antwort? (2)Was sind die Aussagen der Theorie, was ist ihre Struktur, welche philosophischen Grundlagen hat sie? (3)Wie formt sich Neoliberalismus zu Politik aus, welche sozialen Schichten sind die aktiven Träger des neoliberalen Modells? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung von Blankenburg und Schui.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2002
Benedikt Koehler hat dieses Buch über den Neoliberalismus mit großem Interesse gelesen und lobt es als "gründlich recherchierte Darstellung". Im Gegensatz zu anderen Bearbeitungen des Themas, die nicht über "schiere Polemik" reichen, sei den beiden Autoren sowohl die Herleitung des Neoliberalismus aus der Gegnerschaft zu den Keynesianern gelungen, als sie deutlich werden ließen, dass der Neoliberalismus mehr sein wolle als reine "Wirtschaftstheorie". In der Debatte um den Abbau der sozialen Marktwirtschaft durch den Neoliberalismus sieht der Rezensent durch die Autoren überzeugend belegt, dass der "geistige Vater" dieser Marktwirtschaft Alfred Müller-Armack nach "heutigem Verständnis ein Neoliberaler wäre". Koehler unterstützt die Forderungen Schuis und Blankenburgs, das neoliberale Feld nicht den "Populisten" zu überlassen und meint, wer die Auseinandersetzung mit dem Neoliberalismus verfolgen will, sich ihre "Namen merken" sollte.
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