Seit ihrem Erscheinen haben Goethes 'Venezianische Epigramme' Unverständnis und Befremden ausgelöst - eine Situation, die bis heute andauert. Dabei bietet der Zyklus Gelegenheit, neben dem Werk selbst bislang wenig bekannte Aspekte aus dem werk- und lebensgeschichtlichen Zusammenhang näher zu beleuchten. Vor dem Hintergrund des aus unbekannten Quellen rekonstruierten zweiten Venedigaufenthalts wird der Zyklus erstmals einer umfassenden Gesamtanalyse unterzogen. Goethes Orientierung am spätlateinischen Vorbild Martial schlägt sich in Distichen zu Politik und Religion, Erotik und Sexualität nieder, in denen sich radikale, mit dem gängigen Goethebild schwer zu vereinbarende Positionen artikulieren. Einen zentralen Motivkomplex bildet Venedig als "Große Stadt", die Goethe bereits in einer Reihe von typischen Zügen erfasst. Damit stellt der Zyklus eine Vorform von Großstadtdichtung dar, die im Epigramm die lyrische Form findet, um das Punktuelle, Fragmentarische und Unabgeschlossene der Stadtwahrnehmung dichterisch gelungen auszudrücken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2015
In seiner Studie "Früchte einer großen Stadt" gelingt es Stephan Oswald dank philologischer Detektivarbeit, die vorherrschende Lehrmeinung, bei Goethes "Venezianischen Epigramme" handle es sich um "glücklose Schöpfungen", zu widerlegen, berichtet Thomas Steinfeld. Früheren Kritikern waren die erotischen Anklänge, späteren die politischen unangemessen erschienen, während Germanisten aller Zeiten die allzu freie Form bemängelten, erfährt der Rezensent. Erklärt hatte man sich den poetischen Fehltritt biografisch, so Steinfeld: Goethes zweite Italienreise sei eine herbe Enttäuschung für den Dichter gewesen. Dem stellt Oswald das Bild eines Experimentes mit historischen Formen gegenüber, das von beeindruckender poetologischer Reflexion zeugt und das Genre der "Großstadtlyrik" gewissermaßen begründet hat, erklärt der Rezensent. Vergleichbares finde sich erst hundert Jahre später wieder, erfährt Steinfeld vom Autor.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…