Texte von Johann Wolfgang von Goethe. Kalligrafien von Shahid Alam. Unter allen Dichtern deutscher Sprache hatte Goethe das leidenschaftlichste und zugleich kenntnisreichste Interesse an der Welt des Orients, insbesondere auch an deren Religion, dem Islam. Wie kein anderer der großen Dichter deutscher Sprache hat er den Koran gekannt und kommentiert. Das Buch dokumentiert vollständig alle Texte Goethes zum Islam, angefangen bei Abschriften aus dem Koran über Koranvers-Nachdichtungen bis zu autobiografischen Zeugnissen. Die Texte werden auf dem gegenwärtigen Stand der Goethe-Forschung von Karl-Josef Kuschel kommentiert und erschlossen. Beigegeben sind dem bibliophil gestalteten Band auf 16 Bildtafeln Original-Kalligrafien eines der bedeutendsten Kalligrafen unserer Zeit, Shahid Alam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2021
Goethe war nicht nur ein "ein begeisterter orientalisierender Laie", schwärmt der Islamwissenschaftler Sefan Weidner in seiner Rezension, er war überhaupt der erste, der die weltliterarische Bedeutung des schiitisch-muslimisch-iranischen Dichters Hafis erkannte und durch seinen "West-östlichen Divan" für das deutsche Publikum ans Licht hob. Auch für den Islam hatte Goethe von früh an Sympathien, erläutert Weidner, er hatte sogar ein Mohammed-Drama geplant, das sich in seiner Verständnisinnigkeit für den Religionsschöpfer von Voltaires rabiatem Drama gleichen Namens vorteilhaft abheben sollte. Ohne allzu viel über den vorliegenden Band zu sagen lobt Stefan Weidner seine Intention und Aufmachung durch Karl-Josef Kuschel, dessen Engagement für Hans Küngs "Stiftung Weltethos" er hervorhebt. Das Aktuelle am Islam in Goethes Spiegelung ist für Weidner auch, dass er eine Erfahrung der Globalisierung, die der Westen durch den Kolonialismus machte, seinerseits durch seine Welteroberung bereits hinter sich und in Gestalt des Hafis melancholisch besungen habe.
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