Lateinamerika erkämpfte sich vor rund 200 Jahren seine Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten Spanien, Portugal und Frankreich. Von der Sklavenrevolution in Haiti über die langwierigen Unabhängigkeitskriege im spanischen Amerika bis hin zur unblutigen Emanzipation Brasiliens erzählt der Band die Geschichte Lateinamerikas an einem zentralen Wendepunkt in seiner atlantischen Verflechtung. Chronologisch aufgebaut beschreibt es politische Umbrüche und militärische Entscheidungsschlachten des Kontinents sowie die maßgeblichen Anführer wie Toussaint, Miranda oder Bolivar mit ihren abenteuerlichen und ungewöhnlichen Lebensgeschichten. Die Staatsgründungen, die sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hinzogen, wurden zwar durch den antikolonialen Widerstand geeint, aber durch die Ausgrenzung breiter sozialer und ethnischer Schichten, den Aufstieg des Caudillismus und die Ausbildung einer "Guerrilla" zeichnen sich bereits die Probleme ab, die Lateinamerika immer noch prägen. Vor dem Hintergrund des wachsenden Einflusses neuer indigener Bewegungen und der Wiederentdeckung des Bolivarismus gewinnt diese dramatische Epoche heute wieder Bedeutung und politische Aufmerksamkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2010
Die Wirkunsgmacht westlicher Softpower bekommt Thomas Speckmann in diesem Band des Historikers Stefan Rinke zu spüren. Der nämlich zeigt ihm die transatlantischen Verbindungen und Gemeinsamkeiten (bei aller Heterogenität) in einer Geschichte der lateinamerikanischen Revolutionen. Speckmann ist fasziniert von Rinkes Entdeckungen in Sachen atlantischer Integration in den Bereichen Administration, Migration, Handel, Kultur. Wie die Drehscheibe Karibik entstand, was sie leistete und wie schließlich die alten Kolonien aufgelöst, die Sklaverei abgeschafft und Staaten wie Haiti unabhängig wurden - all das lernt er aus Rinkes Analysen.
Stefan Rinke hat mit "Revolutionen in Lateinamerika" ein Standardwerk geschrieben, meint Frauke Böger. In dem Buch gehe es nicht, wie zunächst vermutet werden könne, um Ereignisse wie die kubanische Revolution. Im Fokus stehe vielmehr der Einfluss der Französischen und Amerikanischen Revolutionen auf Lateinamerika im 18. und 19. Jahrhundert (beispielsweise der sich daraus entwickelnde Sklavenaufstand auf Haiti). Zwar wären mehr Zitate und Illustrationen zur Unterfütterung der Analysen wünschenswert gewesen. Doch die Rezensentin ist sich sicher, dass das Werk, welches mit Ansätzen zu einer Ideengeschichte über die reine Zusammenfassung der Ereignisgeschichte hinausginge, jedem Leser einen "sehr gut lesbaren" Einstieg in diesen wichtigen Abschnitt der lateinamerikanischen Geschichte biete.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.05.2010
Hochzufrieden wirkt Carlos Widmann mit Stefan Rinkes Geschichte der Revolutionen Lateinamerikas zwischen 1760 und 1830. Dass der Autor dabei den elastischen Begriff der Revolution für die komplexen Unabhängigkeitsbestrebungen verwendet, findet der Rezensent völlig angemessen, wie er betont. Er genießt die Tatsache, dass diese Geschichte der Revolutionen Lateinamerikas ganz ohne die Namen Che Guevara oder Salvador Allende auskommt, als "willkommene Abwechslung" und ist insgesamt von der Darstellung sehr angetan, die ihn mit Souveränität und Genauigkeit überzeugt und zudem "Fairness und politische Korrektheit" an den Tag legt, wie er positiv vermerkt. Deutlich ist ihm nach der Lektüre einmal mehr, dass es damals wie heute keine Grundlagen für die von so manchem Revolutionär erträumte Einheit Lateinamerikas gibt.
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