"Zu viel oder zu wenig Markt(-wirtschaft)" ist ein Evergreen der Volkswirtschaftslehre und bestimmt die politischen Debatten in der Bundesrepublik seit Jahrzehnten immer wieder von neuem: Marktwirtschaftlichen stehen interventionistische Positionen gegenüber, wobei nicht nur interessierten Laien oft die fachlich fundierte Orientierung fehlt. Auch in der akademischen Lehre kommt die tiefere Begründung einer marktwirtschaftlichen Ordnung oft zu kurz. Das Lagerdenken zwischen nachfrage- und angebotsorientierter Wirtschaftspolitik überwindet der Autor mit einem koordinationsökonomischen Ansatz, der als durchgängiges Paradigma zugleich die vermeintlichen Gegensätze zwischen Mikro- und Makroökonomik auflöst. Dieser Band ist bewusst nicht als Lehrbuch konzipiert, sondern verbindet ein breites Themenspektrum der Volkswirtschaftslehre, indem er jeweils den Nexus zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung aufzeigt und dabei auch den Bogen zur Sozialphilosophie schlägt. Das Buch richtet sich damit an eine theoretisch interessierte Leserschaft ebenso wie an die wirtschaftspolitische Praxis.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.03.2026
Rezensent Patrick Welter lobt zwar die gelegentlichen das Verständnis erleichternden Sprachbilder im Buch des Ökonomen Stefan Kooths, für den Großeil des Bandes sind laut Welter allerdings Vorkenntnisse nötig. Warum Kooths für den Rezensenten zu den interessantesten deutschen Ökonomen gehört, wird schnell klar. Die Kombination aus "Konjunktur und Freisinn", die Welter von Hayek her kennt, findet er auch beim Autor. In diesem Ratgeber für Wirtschaftspolitik beschreibt der Autor laut Welter Marktwirtschaft dementsprechend als Prozess, den die Interessen von Millionen von Menschen in dauernder Bewegung halten. Lesenswert erscheint der Band Welter auch wegen der im letzten Drittel abgedruckten "teils hochaktuellen" Aufsätze und Zeitungsbeiträge, in denen Kooths methodische Analysen zum Wachstum und Überlegungen zum Freihandel und zu Subventionen darlegt.
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