Sophie Passmann

Alte weiße Männer

Ein Schlichtungsversuch
Cover: Alte weiße Männer
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2019
ISBN 9783462052466
Taschenbuch, 304 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Sophie Passmann gehört zu einer neuen Generation junger Feministinnen; das sind Frauen, die stolz, laut und selbstbestimmt sind. Sie wollen Vorstandschefinnen werden oder Hausfrauen, Kinder kriegen oder Karriere machen oder beides. Und sie haben ein Feindbild, den alten weißen Mann. Dabei wurde nie genau geklärt, was der alte weiße Mann genau ist. Eines ist klar: Er hat Macht und er will diese Macht auf keinen Fall verlieren. Doch Sophie Passmann will Gewissheit statt billiger Punch-lines, deswegen trifft sie mächtige Männer, um mit ihnen darüber zu sprechen: "Sind Sie ein alter weißer Mann und wenn ja - warum?" Sophie Passmann war im Gespräch mit: Christoph Amend, Micky Beisenherz, Kai Diekmann, Robert Habeck, Carl Jakob Haupt, Kevin Kühnert, Rainer Langhans, Sascha Lobo, Papa Passmann ,Werner Patzelt, Ulf Poschardt, Tim Raue, Marcel Reif, Peter Tauber, Jörg Thadeusz und Claus von Wagner

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.03.2019

Sophie Passmann liefert mit ihrem neuen Buch keine Thesen und keine neuen Argumente, stellt Rezensentin Änne Seidel fest, auch keine Definitionen, keine abschließenden Antworten und keine wissenschaftliche Abhandlung. Aber der Begeisterung der Rezensentin tut das keinen Abbruch. Denn sie bekommt Humor, Ironie und Denkanstöße. Wenn die Autorin sich mit Politikern, Journalisten und anderen Prominenten trifft, um über männliche Privilegien zu plaudern, dann findet sie die Machtfrage ungeheuer charmant gestellt. Wenn Passmanns Gesprächspartner allerdings "grundlegende Regeln der Höflichkeit" missachten, wie etwa Kai Diekmann, dann ist die Rezensentin regelrecht empört.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2019

Rezensentin Judith Basad ist enttäuscht von der Art, wie sich der Feminismus bei Sophie Passmann äußert. Für "Alte weiße Männer" hat sich die 24-jährige Autorin mit Leuten wie Kai Diekmann, Werner Patzelt und Rainer Langhans getroffen, um mit ihnen über Sexismus und Feminismus zu sprechen, lesen wir. Dabei gibt sie sich im Gespräch stets zurückhaltend und ein wenig naiv, moniert Basad, selbst wenn sich Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt als unangenehmer Macho oute, oder Langhans ein bisschen ausraste und Frauen die Schuld am sexuellen Missbrauch gebe. Die Quittung erhalten ihre Gesprächspartner erst im Nachhinein und zwar in literarischer Form. Den Reuigen erteilt Passmann die Absolution, den Chauvis jedoch verpasst sie einen "moralischen Denkzettel", so Basad, die das im nachhinein austeilen wenig couragiert findet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.03.2019

Sophie Passmann war schon mal radikaler, was die alten weißen Männer angeht, erinnert sich Rezensent Thomas Kerstan. In ihrem Buch geht sie etwas freundlicher mit ihnen um. Aber das liegt vielleicht auch daran, denkt sich Kerstan, dass sie die Bezeichnung "alte weiße Männer" zwar gern als Provokation benutzt, andererseits aber auch von allen gemocht werden will. Wenn es zu widersprüchlich wird, rettet sie sich in Ironie, was sie natürlich gleich schön immun macht, so der kritische Rezensent. Trotzdem verreißt er das Buch nicht ganz. Dass Passmann ihren Gesprächspartnern gern "Haltungsnoten" gibt und über Feminismus doziert, findet er nicht so doll, aber dass sie ihren Gesprächspartnern wirklich zuhört, gefällt ihm dann doch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2019

Rezensentin Nadia Shehadeh kann mit diesem Buch nichts anfangen, wie sie den Lesern auf einer ganzen taz-Seite erklärt. Sophie Passmann, die Shehadeh als "privilegierte weiße Frau" bezeichnet, plaudert ihrer Ansicht nach viel zu unbefangen und unkritisch mit 16 "alten weißen Männern" - wie sie sich selbst sehen, was sie über den Feminismus denken und was über Geschlechtergerechtigkeit. Für ein am Feminismus nicht so interessiertes Publikum liest sich das wohl ganz amüsant, vermutet leicht herablassend die Rezensentin. Sie selbst hat andere Ansprüche, findet das Ergebnis langweilig und larmoyant und in seiner "ganz viel White-Male-Versteherei" absurd. Auch kritisiert sie, dass Autorin Sophie Passmann nie wirklich erklärt, was sie unter dem Begriff "alter weißer Mann" versteht. Aber eigentlich missfällt ihr das ganze Konzept: "privilegierte weiße Frau" redet mit "alten weißen Männern". Man fragt sich beim Lesen der Kritik unwillkürlich, wo eigentlich die Rezensentin sich in diesem Zuschreibungsgeflecht verortet.
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