Mit Hilfe des Spiegels kam der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch den unendlichen Fernen des Universums näher als mit irgendeinem anderen Medium. Als Medium der Selbsterkenntnis fand der Spiegel die Grenzen seiner wissenschaftlichen Rezipierbarkeit in der Selbstbezüglichkeit, dem großen Thema aller psychoanalytisch orientierten Forschungsansätze. Als Leerstelle der Welterkenntnis bekamen Spiegel eine wissenschaftliche Perspektive vor allem jenseits ihrer eigenen Medialität in Bildern und Metaphern, den Paradigmen aller bild- und textorientierten Forschungsansätze.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.04.2011
Die überaus interessante und komplexe Geschichte des Spiegels wird in Slavko Kacunkos Studie zu Andreas Strobls Enttäuschung eher pflichtschuldig abgehandelt. Der Rezensent gesteht dem Autor zwar zu, alle wichtigen Themen, die die Kulturgeschichte des Spiegels von der Antike bis heute berühren, umfassend zu referieren. Was ihm aber fehlt, ist eine Interpretation der Erkenntnisse, die dem hohen kulturwissenschaftlichen Anspruch, den Kacunko vertritt, gerecht werden. Die Deutung des berühmten Velasquez-Gemäldes 'Las Maninas" als 'Live-Videoaufnahme" beispielsweise findet er bemerkenswert kurz gegriffen. Am besten hat Strobel noch Kacunkos Vergleich von Spiegel- und Videokunst gefallen, ein Thema, in dem sich der Autor bereits durch eine "brillante" Untersuchung einen Namen gemacht hat, wie der Rezensent erinnert.
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