Simon Sebag Montefiore

Die Welt

Eine Familiengeschichte der Menschheit
Cover: Die Welt
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2023
ISBN 9783608983548
Gebunden, 1536 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Thomson, Hans-Peter Remmler, Thomas Stauder, Karin Laue, Jens Hagestedt und Maria Zettner. Mit der ersten Familie beginnt die Menschheit. Familien machen Geschichte und ihre Dynastien gestalten die Weltgeschichte bis heute. Der Historiker Simon Sebag Montefiore entfaltet ein welt- und kulturenumspannendes Panorama von Familien, Sippen, Clans und Dynastien durch alle Zeiten und auf allen Kontinenten."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2023

Rezensent Burkhard Müller kann Simon Sebag Montefiores Versuch der Geschichtsschreibung nur milde belächeln. Montefiores vollmundiger Ankündigung einer "Familiengeschichte der Menschheit" folgt laut Müller nichts weiter als Namedropping von den Caesaren über die Medicis bis zu den Kims und Trumps sowie Klatsch. Weder hat der Autor Neues aus den Dynastien zu berichten noch weitet er den Blick auf Zusammenhänge oder bietet eine historische Perspektive, kritisiert der Rezensent. Die Welt - ein gigantisches Telefonbuch, schimpft Müller.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2023

Außerordentlich gewichtig findet Rezensent Stephan Wackwitz dieses umfangreiche Buch von Simon Sebag Montefiore, das sich für ihn in den aktuellen Trend der Globalgeschichte einreiht: In 23 Kapitel soll uns die gesamte Weltgeschichte erzählt werden. Besonders freut sich Wackwitz darüber, dass Montefiore hier auch die historischen Ereignisse in den Blick nimmt, die der eurozentrische Blick oftmals außer Acht lässt - so ist während der Zerstörung Trojas auch das nubische Kusch-Imperium untergangen, lässt sich in dieser "Wunderkammer abenteuerlicher Gleichzeitigkeit" lesen. Den Aspekt "Familiengeschichte" zeigt der Autor dem Kritiker auf ziemlich abstoßende Weise, von Verwandtenmord bis Kindesmissbrauch war alles dabei bei den Mächtigen der Geschichte. Für Fachleute gibt es bestimmt das ein oder andere zu bemängeln, meint Wackwitz, ein fehlende historische Einordnung des "Familien"-begriffs beispielsweise, aber für all jene, die neugierig auf eine andere Perspektive und gute Unterhaltung sind, ist dies für Wackwitz das Buch der Saison.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.11.2023

Nicht unbedingt die Erfüllung geschichtswissenschaftlicher Standards, dafür umso mehr Unterhaltungswert verspricht Rezensent Michael Hesse mit Simon Sebag Montefiores Riesenbuch: Eine Menschheitsgeschichte als Familiengeschichte lege der erzählfreudige Historiker und Autor hier auf über tausend Seiten vor, die sich von den alten Dynastien der Habsburger, Romanows oder Osmanen über die Mafiosi bis hin zu Trump und Putin erstreckt. Dabei gehe es sehr effektvoll und schauerlich zu: Von den erschreckenden körperlichen Folgen inzestuöser Familienbeziehungen zum Machterhalt wird hier erzählt und von wahnsinnigen Herrschern, Mord und Totschlag inklusive, gibt Hesse wieder - sehr rasant und "Netflix"-reif findet er das. Dazu erfährt er Interessantes etwa über die Autonomität von Frauen in Nomadenvölkern im Vergleich zu sesshaften Gesellschaften oder über die Unterschiede der Methoden zur Machtweitergabe. Ob der Anspruch einer "Universalgeschichte" hier nun wirklich erfüllt wird, lässt Hesse dahingestellt - in jedem Fall ein großer Lesespaß, meint er.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.11.2023

Die Welt als "Knetgummi einiger Mächtiger" begegnet Rezensent Arno Orzessek bei Simon Sebag Montefiore, ist aber nicht so recht überzeugt von dessen Ansatz, 4000 Jahre Weltgeschichte nur vom Wirken der Einflussreichen her zu lesen - die im Untertitel versprochene "Familiengeschichte" sucht er vergeblich. Nahezu boulevardesk schreibt Montefiore über Pharaonen, über Mao, über Europa, zwar meist mit belastbaren Informationen, aber für Orzessek insgesamt doch zu sehr orientiert am Skandalpotential von "Sex and Crime." So wirkt das Buch für ihn zu flapsig und zu wenig an historischer Wissenschaft orientiert, auch wenn einige Schlüsse zur dauernden Wiederkehr des Diktatorischen etwa gar nicht so weit hergeholt sein mögen, wie der Kritiker schließt.

Buch in der Debatte

9punkt 24.12.2025
Der britische Historiker Simon Sebag Montefiore hat ein Buch über große Familien-Dynastien und der Bedeutung für die Geschichte geschrieben. Im Interview mit der FR erklärt er, warum wir uns alle sehr viel ähnlicher sind als wir glauben: "Man muss sich bewusst machen, dass dynastische Genealogien im Grunde immer gigantische Netze sind. Wenn man im 9. Jahrhundert ansetzt, ist praktisch jeder Mensch in Europa, dessen Abstammung sich lückenlos verfolgen lässt, mit denselben Ursprungspersonen verbunden. Ein Beispiel: Fast jede Engländerin und jeder Engländer mit tiefen Wurzeln im Land stammt von König Edward III. ab. Er hatte zehn Kinder, die alle wiederum heirateten und Nachkommen hatten. Das summiert sich exponentiell. Oder nehmen Sie Dschingis Khan: In Zentralasien trägt ein großer Teil der männlichen Bevölkerung genetische Spuren, die auf ihn zurückgehen. Das ist ein schwindelerregender Gedanke und zugleich ein Beleg dafür, wie eng verflochten Menschheitsgeschichte ist."Bestellen Sie bei eichendorff21!Ziemlich begeistert ist FAZ-Kritiker Andreas Isenschmid von der Ausstellung "Die Morgenländer. Jüdische Forscher und Abenteurer auf der Suche nach dem Eigenen im Fremden" im Jüdischen Museum Hohenems. Über die "jüdische Neugier für den Islam" lernt Isenschmid hier Interessantes: "Wer kannte schon die Fotos, mit denen der Ethnologe Erich Brauer, Scholems von ihm viel gescholtener Freund, die Alltagskultur jüdischer Gemeinschaften in Jerusalem erforschte? Wer seine ethnographischen Forschungen über die jüdischen Gemeinschaften des Jemens und Kurdistans? Wer Vambéry, der Theodor Herzl den Weg zum Sultan bahnte? Wer die verfemte Berliner Ägyptologin Hedwig Fechheimer, lange mit Carl Einstein liiert, deren bei 1914 Cassirer verlegte Schrift 'Die Plastik der Ägypter' nicht nur Alberto Giacometti inspirierte? Sie nahm sich 1942 das Leben, um der Deportation zu entgehen." Unser Resümee
9punkt 04.11.2023
Im Welt-Interview mit Mara Delius warnt der britische Historiker Simon Sebag Montefiore vor einer Rückkehr der "Achse des Bösen": "Es gibt zwei Systeme. (...) Es gibt eine kontrollierte, geschlossene Welt, die glaubt, dass Autokraten und Diktatoren den Willen des Volkes sozusagen aus sich selbst heraus projizieren können auf eine Art, die genauso demokratisch ist wie unsere westlichen liberalen Demokratien, die auf freien Wahlen basieren. Wir im Westen glauben wiederum, dass unser System besser ist, weil es freier ist." Unser Resümee

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