Silvio Blatter

Zwölf Sekunden Stille

Roman
Cover: Zwölf Sekunden Stille
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783627001148
Gebunden, 302 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Marco Rehberg, Kulturchef der renommierten Neuen Zeitung, der "letzte Romantiker im Kulturressort", hat die Altersgrenze erreicht. Dem jugendlich-vitalen Erfolgstyp fällt es schwer zu akzeptieren, dass seine aktive Zeit abgelaufen ist und er den Jüngeren in der Redaktion Platz machen muss. Dabei sollte ihn das nicht verwundern, da "mehr als die Hälfte aller Unternehmen des Landes keine Mitarbeiter über 50 beschäftigten". Die Frage, wo er jetzt im Leben steht, nimmt ihm buchstäblich den Atem. Rehberg, geschieden, eine erwachsene Tochter, ist jetzt ein Mann nach der Berufs- und Familienphase. Er sehnt sich nach einer Frau, wünscht sich eine neue Beziehung, nicht aber irgendeine Geliebte, das wäre verlorene Zeit. Nur Nuria Malik, die Malerin, gibt seinem Leben einen gewissen Halt. Seit 35 Jahren sitzt er ihr Modell. In ihren 20 Rehberg-Porträts hat sie seine Verwandlungen festgehalten. "Zwölf Sekunden Stille" zeigt das nicht aufzuhaltende Schicksal am Ende einer Berufs- und Familienkarriere, die Geschichte einer Ausmusterung und des glücklichen Beginns eines mit neuem Sinn gefüllten Lebensabschnitts.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.02.2005

"Aufräumen, Ordnung schaffen. Das alte Leben hinter sich lassen, ein Neues beginnen und die Schwierigkeit, mit dieser Aufgabe zurecht zu kommen." Um dieses Thema, so der Rezensent Florian Welle, kreist Silvio Blatters Roman "Zwölf Sekunden Stille", die Geschichte um den 58-jährigen Zeitungsmann Marco Rehberg, der in den vorzeitigen Ruhestand geht und sich dem Tatbestand des Alters stellen muss. Besonders gefallen hat dem insgesamt sehr wohlwollenden Rezensenten das "fast somnambule" Anfangskapitel "Schneetreiben", in dem Rehberg der Orientierungslosigkeit preisgegeben ist. Doch Blatter erzähle nicht die Geschichte eines Verfalls, sondern die eines Neubeginns: Nach der Schrecksekunde - den zwölf Sekunden Stille - setzt (mit der Liebe) das Leben von Neuem ein in diesem "optimistischen Roman über das Älterwerden ?, in dem die Lust am Leben obsiegt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2005

Pia Reinacher übt sich in Geduld mit Silvio Blatters Roman "Zwölf Sekunden Stille". Aber so recht vermag sie den Leser ihrer Rezension nicht davon zu überzeugen, dass sie in dem Werk mehr sieht als die langatmige Ausmalung der End-Life-Crisis eines geschassten Feuilletonchefs der "Neuen Zürcher Zeitung", versinkend in gefühliger Bedeutungslosigkeit zwischen Zürich und Venedig. Dabei hätte das Thema, das vorzeitige Ausmustern der eigentlich gesellschaftlich noch Brauchbaren, Stoff zu mehr geboten, befindet Reinacher. Kitsch und Kunst serviere Blatter in seinem Roman, schreibt sie. Dann schränkt sie ein: "ein wenig Kunst". Zu wenig, fand sie, spürt man.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.09.2004

Für Beatrice Eichmann-Leutenegger hat dieser Roman über einen mit seiner Pensionierung konfrontierten Kulturchef einer Zeitung zwei qualitativ sehr unterschiedliche Seiten. Zunächst einmal stellt sie fest, dass das Buch wenig Handlung schildert, es beschreibe das neue Leben von Dr. Marco Rehberg, der nun von viel freier Zeit, seinen Lungenproblemen und der Sehnsucht nach jungen Frauen umgetrieben werde. Wenn der Autor die Welt der Zeitungsredaktion schildert, bewegt er sich in einer "trendgerechten Sprache", die kaum "literarischen Schimmer" zu entzünden vermag, beklagt sich die Rezensentin. Auch die Handlungselemente um das Thema "reifer Mann und die junge Frau" findet Eichmann-Leutenegger zu nah am "Klischee" und zudem "sattsam bekannt". Beeindruckt dagegen hat die Rezensentin der zweite Teil des Romans, in dem sich Rehberg mit dem Alter konfrontiert sieht und von "Schwellenängsten" geplagt wird. Besonders in den Begegnungen des Protagonisten mit seinem tauben Vater im Altersheim hat sie "eindrückliche Szenen" entdeckt und "tiefere Schichten", die sie von den Möglichkeiten" Blatters überzeugen. Hier "blitzt eine andere Dimension auf", lobt die Rezensentin, die in dieser Geschichte einer Pensionierung auch ein "kleines Sterben" geschildert sieht.
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