Günter Hack

ZRH

Roman
Cover: ZRH
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783627001612
Gebunden, 267 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Der Erzähler, ein junger deutscher Fotograf, fährt in die Schweiz, um dem Sammler und Bankier Oswald Manella sein neues Kunstprojekt zu verkaufen. Manella kauft die Serie zu einem sehr guten Preis, lässt den Fotografen aber wissen, dass er ihm das dringend benötigte Geld erst auszahlen werde, wenn er für ihn ein verschwundenes Sammlerstück beschaffe: den Film aus der Kamera, die der Schauspieler David Hemmings bei den Dreharbeiten zu Michelangelo Antonionis "Blow Up" verwendet hat. Die Beschaffung des Gegenstandes erweist sich als außerordentlich kompliziert, offenbar hat eine ganze Reihe merkwürdiger Gestalten aus der Züricher Kunst- und Unterwelt ein Auge darauf geworfen. Während der Fotograf sich auf die Suche nach dem Film macht, scheint die Welt um ihn herum immer mehr aus den Fugen zu geraten. Selbst physikalische Gesetze besitzen keine Gültigkeit mehr, und auch die Politik steht kopf: Um ihre Finanzen zu konsolidieren, hat die Regierung der Schweiz damit begonnen, unrentable Territorien abzustoßen und die Grenzen um die verbliebenen Regionen zu schließen. Eine Welt auf Autopilot: Intelligente Maschinen führen die Geschäfte, und im Untergrund zieht die Schwarze Zunft, ein alter Zürcher Geheimbund, die Fäden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2010

Einen Ausflug in eine durch absurde Bio-Politik beherrschte Zukunft hat Rezensentin Sibylle Saxer in Günter Hacks Debütroman "ZRH" unternommen. "ZRH" ist der Code für Zürichs Flughafen und auf diesem begegnet Saxer mit Menschen handelnden Körpermaklern, die Migranten und Flüchtlingen in fremden, mit neuen Datensätzen aufgeladenen Körpern Asyl bieten. Der Protagonist, ein ausgebrannter Fotograf, der seine Fotoserie von 3561 deutschen Aldi-Filialen an den CEO eines Schweizer Kreditinstituts verkaufen will, muss als Verkaufsbedingung den Film besorgen, den die Hauptfigur aus Michelangelo Antonionis Film "Blow-up" in ihrer Kamera hatte. Auf seiner Suche durch die Schweiz muss der junge Deutsche mit geklonten Körperasylanten verhandeln und sehnt sich schließlich nur noch danach, Zürich zu verlassen. Frisch, sprachlich souverän und fast sartirisch findet die Rezensentin dieses Debüt, bedauert aber, dass Hack einfach zu viel will: Den größten Kritikpunkt des teilweise zu moralisierenden Romans sieht Saxer aber in seiner Unentschlossengheit: einerseits in einer Cyberwelt mit Science-Fiction-Elementen spielend, sei der ortskundige Autor andererseits zu sehr an das reale Zürich gebunden, so dass die virtuelle Welt nicht sonderlich glaubhaft sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2009

Eine kaum wiederzuerkennende Schweiz und eine schwarze Zunft, die das Land mit der Idee vom künstlichen Menschen in der Hand hält: Auf den hier rezensierenden Autor Thomas Hettche wirkt das beengend beängstigend und sehr poetisch. Die Art, wie Günter Hack seinen utopischen Roman gestaltet, ihn mit lauter eleganten Passagen anreichert, in denen eine ins Bild gerückte Hand für die Macht einer Figur stehen kann, freut Hettche. Dankbar konstatiert er den Humor, mit dem Hack seine Helden einsetzt, als wären sie Thesen und der Roman eine erkenntnistheoretische Summe sämtlicher "Entwicklungslinien der Gegenwart".