Silke Satjukow

Besatzer

'Die Russen' in Deutschland 1945-1994
Cover: Besatzer
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783525363805
Gebunden, 405 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Fünf Jahrzehnte lang lebten auf dem Territorium Ostdeutschlands durchschnittlich eine halbe Million sowjetische Soldaten und Zivilbeschäftigte Haus an Haus mit der einheimischen Bevölkerung. Silke Satjukow schildert erstmals die Geschichte der Besatzung vom Einmarsch der Roten Armee 1945 bis zum Abzug 1994. In der unmittelbaren Nachkriegszeit reklamierten die russischen Besatzer nicht nur die politische Macht für sich, sondern handelten aus dem Bewusstsein, über alles frei verfügen zu können. Diese Haltung führte vor Ort zu unregierbaren Zuständen. Deshalb setzte bereits 1947 eine räumliche Entflechtung ein: Der Rückzug der Streitkräfte hinter grüne Bretterzäune. Fortan gab es abgezirkelte Areale, ganze"Russenstädtchen", die erste verlässliche Grenzen zwischen Besatzern und Besetzten markierten. Sie wurden zur Voraussetzung für das langfristige Nebeneinander vor Ort, aus welchem sich zuweilen sogar ein Miteinander entwickelte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.07.2008

Mit Interesse hat Christoph Klessmann dieses Buch über die russischen Besatzer in der DDR gelesen. Wichtig erscheint ihm das Buch, weil die Autorin den gewohnten politikhistorischen Blick sozial- und kulturhistorisch erweitert und Zwischentöne hörbar macht. Klessmann erkennt das Hauptinteresse der Autorin bei den Formen der Interaktion (Tauschhandel, Liebschaften) und ihren zeitlich bedingten Veränderungen. Aber auch Standortunterschiede sieht der Rezensent auf neue Aspekte hin untersucht. Aktenbefunde und Interviews, erklärt Klessmann, ergänzen einander. Er erfährt Neues von jenseits der Kasernenmauern, über Befehlsstrukturen und Truppenprofile und das "trübe" Kapitel der Kameradenschinderei. Indiz dafür, dass die Autorin keine "Verharmlosung der Besatzungsrealität" im Sinn hat.

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