V.S. Naipaul

Briefe zwischen Vater und Sohn

Cover: Briefe zwischen Vater und Sohn
Claassen Verlag, München 2002
ISBN 9783546003247
Gebunden, 464 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Kathrin Razum und Claus Varrelmann. Naipauls Erfahrungen in der westlichen Welt, die Schwierigkeiten seiner Heimat und der Tod des Vaters sind die zentralen Themen dieses Briefwechsels, der in seiner Gesamtheit die "Lehr- und Wanderjahre" des Nobelpreisträgers umfasst. Ein wichtiges und lebendiges Dokument zu Naipauls Werden und Schaffen - und eine aufschlussreiche Lektüre zu dem wohl prägendsten Jahrzehnt seines Lebens

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

In diesen Briefen zwischen dem jungen V. S. Naipaul und seinem Vater hat der Rezensent Hanns-Josef Ortheil die "Keimzelle" des Naipaulschen Schreibens entdeckt. Zunächst aber offenbare sich darin eine "mehr als ungewöhnliche Beziehung" zwischen dem als Journalist arbeitenden Vater und dem in Oxford studierenden Sohn. Das Besondere dieser Beziehung liegt für den Rezensenten in dem Einverständnis, mit dem beide unermüdlich das gleiche Ziel verfolgen: "der gute Text". Dabei habe zunächst der Vater die Regeln seiner Schreibkunst an den Sohn weitergegeben, bis dieser "zum Lehrer" geworden sei und dem Vater zu lesen gegeben habe, was er "inzwischen begriffen" habe. Beide, so Ortheil, der Vater wie der Sohn, scheinen in diesen Briefen und überhaupt "um ihr Leben" zu schreiben. So dass es nicht verwundere, dass der Sohn nach dem unerwarteten Tod des Vaters "mit beinahe finsterer Entschlossenheit" seinen Weg weitergegangen sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2002

Mit 17 Jahren verließ V.S. Naipaul Port of Spain auf Trinidad und ging nach Oxford. Kaum war er dort angekommen, entspann sich, von Herbst 1949 bis zum Tod des Vaters im Jahr 1953, ein lebhafter Briefwechsel zwischen Vater und Sohn, an dem am Rande auch die Mutter und die Schwester teilhatten, berichtet Christoph Bartmann. Der Rezensent mag zwar dem Verlag nicht darin zustimmen, dass dieser Briefwechsel ein "Schlüssel zur autobiografischen Dimension" der Werke Naipauls sei, denn schließlich seien seine später entstandenen Roman reichhaltig mit Autobiografischem versehen, dennoch findet es Bartmann lohnenswert, den jungen Naipaul in diesem Briefwechsel bei der Entwicklung zum Schriftsteller zu beobachten. Bartmann ist erstaunt, wie "gesetzt" der Siebzehnjährige bereits schrieb und wie selbstbewusst er schon zu diesem Zeitpunkt daran glaubte, ein "großartiger" Schriftsteller zu sein. Anders laute sein Urteil über Jane Austen, deren Roman "Emma" er für "kitschig" befinde oder über die Inder, die er für ein "diebisches Pack" halte. Der "Star" dieses Briefwechsels ist zwar, meint der Rezensent, der Sohn, aber der "eigentliche Held" bleibe der Vater, der sich dem Sohn gegenüber stets kollegial gezeigt und seinen Briefen eine "menschliche Note" gegeben habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2002

Der Literaturnobelpreisträger V. S. Naipaul wird siebzig, Anlass für den Claassen Verlag, eine ganze Reihe seiner Werke im Deutschen zu veröffentlichen. Georg Sütterlin geht in seiner langen Besprechung Naipauls Leben und Werk auf den Grund. Der 1950 mit der Abreise Naipauls von Trinidad nach England einsetzende Briefwechsel mit seinem 1953 verstorbenen Vater zeigt, so der Rezensent, nicht den als "schroff" und "unnahbar" geltenden Schriftsteller, sondern einen jungen Menschen, der seine Familie liebte und von dieser geliebt wurde. "Ergreifend" findet Sütterlin die hier geschilderten Anstrengungen Naipauls, als Schriftsteller vor allem deshalb Erfolg haben zu wollen, um seine neunköpfige Familie finanziell unterstützen zu können. "Depressionen" und ein "Zusammenbruch", die Naipaul in dieser Zeit erlitten hatten, ließen sich nach der Lektüre viel besser nachvollziehen. Außerdem macht der Briefwechsel deutlich, so der Rezensent, dass Naipaul während des Austauschs mit dem Vater, der ebenfalls Journalist und Schriftsteller war, unter großem Leistungsdruck stand. Der Briefwechsel sei aber auch ein "kollegiales Werkstattgespräch", das Naipauls sich allmählich realisierende Ambitionen verdeutliche, meint Sütterlin.
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