In der Gesellschaft der Gegenwart hat die "Pflicht zum Erfolg" eine allgemeine Kulturbedeutung angenommen in privaten Lebenswelten, im beruflichen Alltag, in der heutigen Ökonomie. Unfähig, die gesellschaftlichen Probleme zu lösen, welche der Markt hinterlässt, tritt der kulturelle Kapitalismus unserer Zeit im Erfolgskult die Flucht nach vorn in eine Lebensform an, in der das Ökonomische mehr oder minder subtil das Handeln, die Gefühle und die Sinnwelten regiert. Doch kehren im neuen Gewand auch alte Gegensätze zurück: Erfolg und Scheitern, Arm und Reich, Gewinner und Verlierer. Und hinter der allgegenwärtigen Rede von "Leistung" verbirgt sich der Vorrang des reinen Marktprinzips. Sighard Neckel rückt der Vermarktlichung der Gesellschaft mit kultursoziologischen Studien zu Leibe, die vor allem die Selbsttäuschungen und Paradoxien der heutigen Erfolgskultur aufdecken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.12.2008
Mit Interesse hat sich Rezensent Harry Nutt diesen Sammelband mit jüngeren Aufsätzen des Soziologen Sighard Neckel angesehen. In Auseinandersetzung mit den Paradoxien der Gegenwart entwirft Neckel eine "Ökonomie der Gefühle und symbolischen Zeichen". Die kommt zum Beispiel zum Tragen, wenn es um Erfolg und Misserfolg geht: Längst hat sich der Kapitalismus Neckel zufolge vom alten Leistungsprinzip abgespalten, und es geht nicht mehr darum, dass sich Arbeitsaufwand und -ertrag entsprechen. Statt auf Leistung basiere Erfolg heute auf emotionalen Kriterien wie Attraktivität. Das unternehmerische Selbst als neues Leitbild, das alle Verantwortung allein auf das Individuum verschiebt, verdränge dabei gesellschaftliche Solidaritäten, erläutert der Rezensent.
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