Natürlich haben Männer Gefühle, oft sogar sehr viel verzweifeltere als Frauen, denn sie wissen gemeinhin nicht, wie sie ihnen Ausdruck verleihen sollen. Was sagen die Sprachlosen, wenn ein Abschied ansteht? Von der Liebe? Vom Leben? Von Gewohnheiten? Um das herauszufinden, hat Sibylle Berg Abschiedsbriefe gesammelt und kommentiert, Briefe von berühmten und weniger berühmten Männern, von leben und toten. Und eines hat sie dabei festgestellt Egal ob sich der Mann von einer Liebe, einer Katze oder seinem Auto trennt - erst handelt er, dann denkt er nach. Und gelegentlich versucht er, für seine Gedanken die richtigen Worte zu finden.
Aufschlussreich fand Rezensent Henning Sussebach diese Sammlung mit von Männern geschriebenen Abschiedsbriefen. Sie ist seinen Informationen zufolge das Pendant einer Sammlung von Frauenabschiedsbriefen, die Sibylle Berg im Jahr 2006 unter dem Titel "Ich dachte, es sei Liebe" herausgegeben hat. Schon mit den beiden Titel, (der eine lakonisch, der andere sentimental), suggeriere, so der Eindruck des Rezensenten "große Unterschiede zwischen den Geschlechtern". Deshalb hat er immer wieder Lust, zwischen beiden Bücher hin- und her zu lesen. Aber auch einzeln verschaffte ihm das Buch Einblicke in das Trieb- und Jagdverhalten seiner Geschlechtsgenossen. Und in ihre Gefühlsökonomie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008
Kaspar Renner scheint sich mit dem von Sibylle Berg herausgegebenen Band mit von Männern geschriebenen Abschiedsbriefen zu verschiedensten Anlässen ganz gut amüsiert zu haben, auch wenn ihn die These der Herausgeberin, Männer seien zu Abschiedsbriefen gar nicht fähig, nicht wirklich überzeugt. Dient dem Rezensenten vorliegender Band doch als Beweis, dass männliche Abschiedsbriefe, stammen sie von Walter Benjamin, Heinrich von Kleist, Klaus Zumwinkel oder Franz Müntefering, in großer Zahl existieren, wenn sie auch, je auf ihre Weise und umso mehr, je schreibgewandter ihr Autor ist, ziemlich "vertrackt" geraten, wie Renner zugeben muss.
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