Sherry Jones

Aisha

Das Juwel von Medina
Cover: Aisha
Pendo Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783866122192
Gebunden, 446 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Emma und Samuel Daussig. Als Aisha in jungen Jahren an Mohammed verheiratet wird, ahnt sie nicht, dass dies der Anfang einer großen Liebe sein wird. Doch früh geübt in der Kunst, ein Schwert zu führen, muss sie lernen, was es heißt, eine Frau zu sein. Denn wie soll sie im Harem jenen Freiheitsdrang und jene Wildheit leben, die Mohammed so sehr an ihr schätzt? Die Geschichte einer starken Frau und einer großen Liebe - und ein Buch, das uns den Islam und seinen Propheten Mohammed von einer bislang unbekannten Seite zeigt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.11.2008

Mutig findet Bianca Schröder dieses Buch, weil es zur Diskussion über den künstlerischen Umgang mit der Religion, speziell dem Islam, anregt, ohne dabei parteiisch zu sein. Für Schröder liegt es auf der Hand: Sherry Jones hatte keine Kontroverse im Sinn, sondern religionsgeschichtliche Propädeutik. Die Geschichte Aishas, der dritten und jüngsten Frau Mohammeds, wollte sie erzählen und dem westlichen Leser den Islam näher bringen. Gegen den von Jones zu diesem Zweck gewählten, vornehmlich der Unterhaltung dienenden Stil des historischen Romans hat Schröder nichts, gegen allzu blumige Metaphern und blasse Charaktere schon. Dass Mohammed in seiner Beziehung zu der jungen Aisha als einfühlsamer, fortschrittlich denkender Mann beschrieben wird, scheint Schröder allerdings derart angenehm überrascht zu haben, dass sie darüber hinwegsehen kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.10.2008

Angela Schader weiß das Ansinnen Sherry Jones, mit ihrem Roman über die Lieblingsfrau des Propheten Mohammed zur Vermittlung des Islam als friedliebende und gerechte Religion beizutragen, zu würdigen, findet aber trotzdem so manches ärgerlich an der Darstellung. Im Vorfeld hatte es um das Buch große Aufregung gegeben, weil es angeblich muslimische Gefühle verletzen könnte und Random House es daraufhin zurückgezogen hat. Den Vorwurf der Pornografie, der dem Roman gemacht wurde, sieht Schader durch ihre Lektüre allerdings nicht bestätigt. Dafür stört sie sich an der Darstellung Aishas als eine "Kreuzung aus Jean d'Arc und Pippi Langstrumpf", die beständig ihren Kampfgeist mit erhobenem Schwert unter Beweis stellt und dazwischen in regelmäßigen Abständen Eifersuchtsanfälle bekommt. Während das literarische Einwände der Rezensentin sind, sieht sie Konfliktpotential eher in der negativen Darstellung von Mohammeds Neffen und Schwiegersohns Mohammeds Ali. Hierüber dürfte sich zumindest bei schiitischen Lesern Unmut entwickeln. Richtig ablehnend wird die um Umsicht bemühte Schader aber, wenn Jones aus lauter Sympathie für ihre Protagonisten anfängt, Gewalttaten der islamischen Frühgeschichte wie die Vertreibung jüdischer Stämme aus Medina schönzureden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2008

Stefan Weidner wendet das Buch hin und her, doch kann er nichts Anstößiges darin finden. Beim besten Willen kann er sich nicht erklären, wie die Historikerin Denise A. Spellberg zu dem Urteil kam, Sherry Jones' Roman über Mohammeds angebliche Lieblingsfrau Aisha "Juwel von Medina" sei islamfeindlich und könne von Muslimen als Provokation aufgefasst werden. In den USA hatte Random House daraufhin den Roman zurückgezogen. Für Weidner eine völlig hanebüchene Aktion. Denn was den Roman kennzeichnet - und was ihn in Weidners Augen viel fragwürdiger macht - ist seine enge Anlehnung an die islamische Überlieferung. "Teils wörtlich" übernehme Jones die islamischen Quellen und damit auch die alles in allem recht harmlose Darstellung von Aishas berühmtem Seitensprung, der ja dann doch gar kein richtiger war. Dabei tauche Jones Aisha und Mohammed in ein solch positives Licht, dass sich der Rezensent bisweilen fragte, ob die Autorin selbst muslimisch sei.
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