Die Biografie Mohameds wurde 200 Jahre nach dessen Tod verschriftlicht - mit politischer Intention: Muslimische Fürsten suchten ihre Position zu sichern und dem christlichen Jesus eine eigene, die Herrschaft legitimierende Erlöserfigur entgegenzusetzen. Dennoch hat sich das ambivalente Bild eines sich radikal verändernden und unter psychischen Problemen leidenden Menschen erhalten. Hier der milde, dort der gewalttätige Mohamed. Hamed Abdel-Samad zeichnet in seiner biografischen Skizze nach, welche bis heute verhängnisvollen Folgen aus diesen Traditionen erwachsen - und weshalb radikale Islamisten mit demselben Recht den 'Propheten' zitieren wie laizistische und integrierte Muslime.
Der Prophet als "Vollpsycho", so umreißt Rezensentin Christiane Müller-Lobeck die Charakterisierung des Propheten durch Hamed Abdel-Samed. Nicht gerade erhellend, findet sie. Und dass Samed den Propheten andauernd beim Wort nimmt, irritiert sie auch. Tun das nicht normalerweise die Islamisten? Andererseits will sie Hameds bittere Abrechnung auch nicht billig nennen, schließlich wurde der Autor schon zwei Mal mit dem Tod bedroht. Etwas Neues hat sie aus dem Buch allerdings nicht gelernt. Sie würde daher jetzt lieber konkret über die Finanzierung eines besonders engstirnigen Islams durch die Türkei und Saudi-Arabien reden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2015
Eine buchstäblich zwiespältige Kritik, die Rainer Hermann zu Hamed Abdel-Samads Abrechnung Mohammed hier abliefert. In der ersten Hälfte gibt er dem Autor recht: Ja, die Buchstabengläubigkeit vieler Muslime ist ein Problem, ja, der Islam hat jüdische und christliche Traditionen übernommen, ja, er rechtfertigt Gewalt, und ja, Mohammeds Einstellung zu Frauen ist weiß Gott nicht vorbildlich. In der zweiten Hälfte seiner Kritik macht Hermann das Buch dann nieder. Er bescheinigt ihm subjektive, populärwissenschaftliche Angstmache, die Quellen und historische Fakten verschleiert und bewusst falsch auslegt, um Muhammad zu diskreditieren. Allzu oft aber nehme der Autor die fantasievollen Prophetengeschichten für bare Münze und mache sich damit selbst unglaubwürdig. Da kann sich der Rezensent nur wundern.
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