Auch wenn die Anschläge auf die israelische Olympiamannschaft 1972 in München knapp 50 Jahre zurückliegen, ist Sherko Fatahs Roman "Schwarzer September", der die Vorgeschichte erzählt, von "zeitloser Aktualität", meint Rezensentin Sieglinde Geisel. Die Orte, die Hauptereignisse und ein Teil des Personals sind historisch real, erklärt Geisel. Fiktiv hingegen sind die Figuren, die Fatah in der Zeit zwischen 1970 und 1983 in Beirut aufeinanderstoßen lässt. Da ist der heimatlose Geflüchtete Ziad, der von der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September rekrutiert und radikalisiert wird, da ist der amerikanische CIA-Agent Victor und seine Kollegen, die glauben, die angespannte Lage im Blick zu haben, da sind die deutschen "Kinder des Olymps", Sympathisanten der RAF, die sich Im Nahen Osten für den "revolutionären Kampf" ausbilden lassen. All diese Figuren, so Geisel, geben Einblick in die verschiedenen Welten, die hier zusammentreffen. Fatah erzählt präzise und schnell, klar und zügig, trotzdem gelingt es ihm, den Lesern eine genaue Vorstellung von der Psyche der Figuren zu vermitteln, ohne sie jemals einer eindeutigen Schwarz-Weiß-Kategorisierung preiszugeben, lobt die Rezensentin. Die Aktualität, so Geisel, liegt in Vorführung der "zynischen Brutalität", die in so einer Welt zum Alltag wird.