Gotthard, ehemaliger Fremdenlegionär, wird von der Erinnerung an Krieg und Mord geradezu heimgesucht. Das ist für den Erzähler dieser Geschichte Fluch und Segen zugleich. Zwar bringt er den entwurzelten Mann zum Reden, aber alles, was der erzählt, steht auf schwankendem Boden. In der Kasbah seiner Erinnerungen hat sich irgendwann einmal eine Begegnung ereignet, die ihn die komplizierte Anordnung der Gassen hat vergessen lassen, und das war die Begegnung mit einem Hund. Dieses Tier steht nun vor jenem Tor, das der unermüdlich fragende Erzähler öffnen möchte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2003
"In diesem Text versteckt sich das Böse", weiß Pia Reinacher. "Aber wird es auch fassbar?" Nein, lautet ihr Urteil. Sherko Fatah habe wie schon bei seinem prämierten Erstling "Grenzland" eine "riskante Balance zwischen Distanz und Nähe" versucht, und das sei ihm auch gelungen: Der Ich-Erzähler bohrt sich fragend in das "verpanzerte Gedächtnis" eines Fremdenlegionärs, in dem Schreckliches verborgen ist, das zum Geständnis drängt. In vielsagenden symbolischen Bildern werde Ungeheuerliches sichtbar. Dennoch fehlt etwas, findet Reinacher: die psychologische Begründung der geschilderten Gewalt. Die Signale des Ungeheuerlichen müssten zu einer Begegnung mit der Persönlichkeit des sich Erinnernden führen, um so erst begreifbar zu werden. In Fatahs Erzählung sehe der Leser aber "weder hinter die Stellwände des Geschehens noch hinter die Maske des Legionärs". Und bleibe am Ende "seltsam indifferent" zurück.
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