Als sein Vater stirbt, wird Johannes erst bewusst, wie viele Fragen er zeitlebens versäumt hat, ihm zu stellen. Doch lässt ihn das unbestimmte Gefühl nicht los, dass es dafür noch nicht zu spät ist, und er begibt sich auf dessen Spuren nach Berlin. Dort nämlich hatte sein Vater als junger Soldat während des Zweiten Weltkriegs eine Liebesbeziehung zu einer Frau, von der niemand in der Familie bislang wusste. Tatsächlich gelingt es Johannes, die Frau ausfindig zu machen, er trifft sie und kommt seinem Vater näher als je zuvor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2012
Samuel Moser ist ganz aus dem Häuschen angesichts von so viel erzählerischer Ironie, wie sie der Autor seiner "Tod eines Patriarchen"-Geschichte mitgibt. Da stirbt der Alte, Familienoberhaupt mit dunkler Vergangenheit als Soldat, stirbt doch wieder nicht, ersteht auf, stirbt wieder. Es geht um Wiederholung, um Verpasstes, Wiedergutmachung, um das Gesetz ewiger Verwandlung, wie Moser Sepp Malls Erzählung auffasst. Doch wie Mall das inszeniert, ohne die übliche Banalität solcher Familiensagas und Vaterporträts, sondern mit erzählerischer Konsequenz, unpathetisch, ironisch, das hat Moser nachhaltig beeindruckt.
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