Eigentlich ist Loris froh, auf der langen Fahrt hinunter nach Mexiko mit sich allein zu sein. Dass die Schöne neben ihm entweder Zeitung liest oder schläft, ist ihm nur recht. Aber später, als sie durch die Wüste fahren, beginnt er mit ihr zu sprechen. Eine unerwartete Vertrautheit entsteht - für eine Nacht. Am nächsten Morgen ist Nives, die Schöne, verschwunden. Auf der Weiterreise erhält Loris immer wieder Nachrichten von ihr - und dann überrascht sie ihn in seinem Hotelzimmer. Intensiv und eindringlich, melancholisch und schön Joseph Zoderer erzählt von der Sehnsucht nach eindeutigen Gefühlen, vom Abenteuer des Sich-Verlierens und von den Fluchtmanövern, die wir inszenieren, um nicht schutzlos dazustehen vor einem unerwarteten Glück.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.11.2015
Für den Rezensenten Christoph Schröder gelingt Joseph Zoderer mit diesem bereits 1995 erschienenen, jetzt in der Werkausgabe neu veröffentlichten Roman nicht nur die Überwindung einer Schreibblockade, sondern auch die überzeugende Zeichnung einer linken Aussteigerutopie unter besonderer Berücksichtigung einer individuellen Identitätsverwirrung. Die zeigt sich im Text laut Schröder als Spannung zwischen dem Gefühl der Fremdheit und einer ebenjene Fremdheit kompensierenden Sehnsucht. Die im Text erzählte Kriminalgeschichte überzeugt ihn durch Zoderers tastende, nuancenreiche, schwingungssensible Sprache und überraschende Bilder, weniger durch Provokation.
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