Sebastian Gießmann

Netze und Netzwerke

Archäologie einer Kulturtechnik, 1740-1840
Cover: Netze und Netzwerke
Transcript Verlag, Bielefeld 2006
ISBN 9783899424386
Broschiert, 114 Seiten, 13,80 EUR

Klappentext

Netzwerk-Wissen ist der Schlüssel zur Kulturtheorie des 21. Jahrhunderts. Gibt es eine Geschichte der Netze und Netzwerke, die den modernen Vernetzungen und Entnetzungen auf die Spur kommen kann? Der Aufstieg des Netzwerk-Denkens beginnt mit den naturhistorischen Ordnungsverfahren des 18. Jahrhunderts. Im Umfeld der französischen Juli-Revolution von 1830 nehmen Netzwerke erstmals ihre heutige Gestalt an. Das Netz - le reseau - ordnet das Wissen über die Natur und prägt die Bauweise von Kanalisation, Telegrafen und Eisenbahn. In der frühsozialistischen Bewegung des Saint-Simonismus entsteht zeitgleich das erste Programm zur globalen Vernetzung - als Utopie einer gerechteren Welt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2006

Positiv erwähnt Niels Werber in einer Sammelbesprechung über Bücher zum Thema Weltprojekte vorliegende Studie von Sebastian Gießmann über die Kulturtechnik der Vernetzung. Besonders interessiert er sich für Gießmanns Skizze des Lebenswerks des Grafen Saint-Simon (1760-1825): der Vernetzung der Welt mit einer Unzahl von Straßen, Kanäle, Eisenbahnen, Banken und so weiter. Für Werber zeigt sich hier, wie der Weltverkehr Weltprojekte hervorbringt, bei Saint-Simon die Idee einer "association universelle" der Menschheit. Allerdings sind die Schattenseiten solcher Projekte seines Erachtens nicht unter den Tisch zu kehren, die Opfer etwa, die sie bei Kolonialisierung Ägyptens und die Annektierung Panamas forderten. "Weltprojekte, alte wie neue", resümiert der Rezensent, "scheinen ihre humanitären Kosten zum Wohle der Allgemeinheit stets zu verdrängen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2006

Für Christian Holtorff springt Sebastian Gießmann mit seinem Buch über Netzwerke auf den Konjunkturzug auf, was dem Inhalt aber offenbar nicht abträglich ist. Beachtung findet der Schluss, nach dem das Netzwerk-Denken gerade zu einer "Kanalisierung des Denkens" geführt haben soll. Überhaupt scheint Holtorff Gefallen zu finden am desillusionierenden Gestus, mit dem der Autor die Begriffsgeschichte verfolgt und frühe Netzwerke wie das der optischen Telegrafie als eher theoretische Konstrukte entlarvt. Ebenso angenehm ernüchternd wirkt auf den Rezensenten die Information über den militärischen Ursprung des Netzwerk-Gedankens. Ob das Buch jetzt ein Plädoyer für oder gegen die Netzwelt ist, ­ Holtorff lässt es offen.