Saul Bellow

Die Abenteuer des Augie March. Herzog. Humboldts Vermächtnis.

Drei Bände
Cover: Die Abenteuer des Augie March. Herzog. Humboldts Vermächtnis.
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2009
ISBN 9783462040647
Gebunden, 68,00 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Henning Ahrens, Walter Hasenclever und Eike Schönfeld. Alle drei Romane sind in ihrer Zeit verankert, spiegeln Teile der amerikanischen Gesellschaft wider, etwa während der Depression, der Eisenhower-Ära, der Kennedy-Zeit. Ob es nun um die alten jüdischen Frauen von der Southside Chicagos wie Oma Lausch mit ihrem stinkenden Pudel Winnie geht, um Gersbach mit dem Holzbein, der Herzog die Frau ausgespannt hat, oder Citrines große Liebe, die zauberhafte Demmie Vonghel mit ihren X-Beinen in raschelnden Seidenstrümpfen - alle sind so unvergesslich wie die drei männlichen Hauptfiguren mit ihren Macken, ihrem Wahn und ihrer Exzentrik. Frauenhelden sind diese Männer alle, aber auch Frauenopfer, da sie, obwohl Frauenkenner, oft hinter der falschen her sind. Gegenspieler der oft weltfremden Hauptfiguren sind lebenstüchtige Geschäftsmänner, Juristen, die mit allen Wassern gewaschen sind, und diese Träumer, Denker und Dichter verschlagen über den Tisch ziehen und den dicken Reibach machen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2009

Laut Angela Schader umkreist "Augie March", der erste Erfolgsroman von Saul Bellow, den Zwiespalt zwischen Gebundenseinwollen und Freiheitsdrang. In der Hauptfigur, dem Lebenskünstler Augie, erkennt die Rezensentin eine "Art Pioniergestalt der jüdisch-amerikanischen Literatur", die mit ihrem Erschaffer zum wenigsten die Heimatstadt gemein hat, Chicago. Nutzt Bellow die Mittel des pikaresken Romans hier vor allem, um ein Panorama von Chicagos Schattenwelt zu zeichnen, wie Schader erklärt. So bleibt ihr der Held doch auch als "homo ridens" in guter Erinnerung. Die "leichtfüßige" Neuübersetzung von henning Ahrens passt gut dazu, findet sie. In Bellows Roman "Herzog" wird dagegen tüchtig reflektiert und bekannt. Was der Held heute wohl in einem Blog unterbringen würde, enthält laut Schader Bellows poetologisches Programm. Darin wird dem polemisch-aufgeregten Schnellschuss in alle Richtungen viel Raum eingeräumt. Zwar kann Schader, auch dank Bellows lässigem Umgang mit formaler wie intellektueller Schlüssigkeit, mit den Universal-Angriffen des Helden nicht immer Schritt halten. Wann immer es gelingt, überraschen sie jedoch die Hellsicht des Protagonisten und die "frappante" Beobachtungsgabe des Autors.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.04.2009

In einem ausgreifenden Lobgesang preist Ulrich Rüdenauer die Neuübersetzung von drei "Hauptwerken" des seiner Ansicht nach hierzulande immer noch nicht ausreichend gewürdigten Saul Bellow. Überraschend und sehr gelungen scheint ihm die neue Übersetzung von "Die Abenteuer des Augie March" von Henning Ahrens, der dem 1953 im amerikanischen Original erschienenen Roman seine "historische Dimension" belässt und ihm dabei dennoch Aktualität verleiht, wie der Rezensent schwärmt. In diesem Entwicklungsroman um den jungen Augie March, der innerhalb der Chicagoer Verhältnisse seinen eigenen Weg geht, erkennt Rüdenauer auch Ähnlichkeiten zum Autor. Die deutsche Fassung des Romans "Herzog", 1961 erschienen und 1965 von Walter Hasenclever ins Deutsche übertragen, hat durch die Überarbeitung von Bärbel Flad ebenfalls enorm gewonnen, wie der Rezensent betont, weil sie die gewisse Prüderie und Zurückhaltung, die Hasenclevers Übersetzung etwas muffig erscheinen ließ, zum Verschwinden bringt. Und auch der dritte im vorliegenden "Schmuckschuber" enthaltene Roman, "Humboldts Vermächtnis", begeistert Rüdenauer in seiner neuen deutschen Übersetzung von Eike Schönfeldt, und er legt uns diesen Band Bellows nachdrücklich als einen "Höhepunkt seiner Kunst" ans Herz. Und so steht nun einer neuerlichen Rezeption dieser wichtigen Bellow'schen Werke durch deutschsprachige Leser nichts mehr im Weg steht, jubelt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2009

Als wichtiges Ereignis feiert der Rezensent Thomas David in einem sehr ausführlichen Essay die Wiederveröffentlichung von drei Romanklassikern des US-Autors Saul Bellow - teils in überarbeiteter, teils in neuer Übersetzung, die David aus- und nachdrücklich lobt). Als dem jedenfalls für die Entwicklung des Autors wichtigsten dieser bedeutenden, ja "olympischen" Werke widmet er sich dem chronologisch ersten dieser Romane am längsten: "Die Abenteuer des Augie March". Mit diesem Werk sei Bellow nicht nur die Befreiung von Vorbildern wie Flaubert und Dostojewski gelungen, er habe auch einer geradezu unerhörten Figur einen Auftritt verschafft: einem in seinem Optimismus nicht unterzukriegenden, jüdischen und zugleich durch und durch amerikanischen Helden wie eben Augie March. Allen Widerständen und falschen Lockungen zum Trotz enfalte dieser seine Persönlichkeit. Der Rezensent zitiert Philip Roths Überzeugung, dass die jüdische US-Literatur danach nicht mehr dieselbe sein konnte und schließt sich ihr an. In "Herzog" könne man jedoch eine Figur kennenlernen, die aus der jüdisch-amerikanischen Literatur, die auf Bellow folgte, sehr vertraut ist: den an eigenen Ansprüchen gescheiterten Akademiker. Samuel Herzog hat sich nach der Publikation seines zweiten Buchs, nach dem Ende seiner Ehe aus dem Universitätsleben zurückgezogen und schreibt nun vor allem und ständig Briefe an Zeitungen und die Mitwelt (wie Martin Heidegger).
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