Sascha Lobo, Kathrin Passig

Dinge geregelt kriegen

Ohne einen Funken Selbstdisziplin
Cover: Dinge geregelt kriegen
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783871346194
Gebunden, 286 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Wer kennt das nicht: Man hat sich fest vorgenommen, endlich auf den Brief zu antworten, der vor Wochen angekommen ist, doch Wochen später liegt er immer noch unter dem Stapel unbezahlter Rechnungen; der Termin für die Steuererklärung ist seit Monaten verstrichen, und am Computerbildschirm vergilbt ein Zettel: "Dringend: To-do-Liste machen!!" Fast jeder Zweite neigt dazu, Aufgaben vor sich herzuschieben. Inzwischen gibt es sogar ein eigenes Wort dafür: "Prokrastination". Und für all jene, die darunter leiden, gibt es dieses Buch. Es zeigt, wie man sich dem Druck endloser To-do-Listen entziehen kann und die Dinge trotzdem in den Griff bekommt - ohne das schlechte Gewissen, das all die E-Mails, Anfragen, Aufträge, Pläne und Verpflichtungen uns ständig machen wollen, und ohne sich mit Tricks und Kniffen selbst zu überlisten. Vieles, was uns fertigmacht, weil es von uns fertig gemacht werden will, ist ohnehin nicht wert, dass man sich darüber den Kopf zerbricht. Und manchmal gilt es auch, den äußeren Schweinehund zu bekämpfen - Kathrin Passig und Sascha Lobo helfen, das Leben so zu organisieren, dass man es nicht ständig organisieren muss.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.01.2009

Für den Rezensenten Harry Nutt ist dieses Buch eine Art Antiratgeber, aber deshalb nicht nutzlos. Denn hier geht es offenbar um mehr als nur um das Schönreden des ewigen Aufschiebens. Etwas aufschieben können sei im Zeitalter der Selbstoptimierung nämlich eine "überlebenswichtige Kompetenz" geworden. Man muss statt dessen Improvisieren lernen, so Nutt, denn "wo das geregelte Leben selbst verschwindet, wird Improvisieren zur attraktiven Kulturtechnik".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.11.2008

Auch wenn sich Rezensentin Christiane Müller-Lobeck mit dem Buch von Kathrin Passig und Sascha Lobo zur Arbeitsgesellschaft gut unterhalten hat - der Duktus der Autoren sei "bisweilen brillant-bekloppt" -, vermisst sie doch eine politische Perspektive der beiden. Die Autoren leiden ihrer Meinung nach an einer "ausgeprägten Rechts-links-Schwäche?, analog dazu changiert das Buch, das ebenso Ratgeber wie eine Attacke auf Ratgeberbücher ist, zwischen "emanzipativen und naiven Vorschlägen?. Bisweilen blasen sie nach Ansicht der Rezensentin auch ganz eindeutig ins "falsche Horn". Allerdings räumt Müller-Lobecke ein, dass das Thema zwangsläufig ein bisschen "Eiertanz" mit sich bringe, stecke es doch voller "virulenter Widersprüche".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2008

Recht ironisch äußert sich Werner Bartens über Kathrin Passigs und Sascha Lobos Buch "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin". Süffisant zieht er über die Autoren her, über ihren ostentativen Nonkonformismus, die Punk-Attitüde und die Rolle als "angestellte Hofnarren" des Berliner Senats. Im Grunde hält er die beiden für ausgemachte Spießer. Natürlich findet er es richtig, der Fülle von Ratgebern a la "Simply your Life" etwas entgegenzusetzen. Hier hätte er sich gewünscht, Lobo und Passig hätten gezeigt, wie die permanenten Ermahnungen zu Selbstmotivation und -diszplin inzwischen zu einer allgegenwärtigen Sozialtechnologie geworden sind. Stattdessen findet er in dem Buch vor allem launige Anekdoten darüber, wie die faulen Autoren trotz ihrer Faulheit es immer wieder geschafft haben, erfolgreich zu sein. Besonders "streberhaft" scheint ihm, wie Lobo und Passig zu Beginn den Forschungsstand zu den möglichen Ursachen der Aufschieberei referieren und das Ganze mit ein wenig Evolutionsbiologie und Sozialpsychologie mixen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2008

Amüsiert hat Uwe Justus Wenzel dieses Buch aus dem Umfeld der Zentralen Intelligenzagentur gelesen, denn Kathrin Passig und Sascha Lobo kalauern mit Niveau! Dabei liest Wenzel "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" eher als eine Art Anti-Ratgeber, der fürs Aufschieben eine Lanze zu brechen, für die "leicht Überforderten" und "schlecht Organisierten" - oder auch für die "Lobos", Anhänger dieser Lebensweise, was sich selbstverständlich nicht vom Namen des Autors ableitet, sondern von "Lifestyle of Bad Organisation". Sie heißen ja schließlich auch nicht Passigs. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Dies ist der Ratgeber, nach dessen Lektüre man keine Ratgeber mehr braucht. Meint ganz im Ernst Christian Geyer, der dies Buch als Aufmacher der Sachbuch-Buchmessenbeilage hymnisch bespricht. Weil dieser Ratgeber mit dem vollmundigen Titel erklärt, warum all die Ratschläge der anderen Ratgeber etwas verheißen, das niemand einlösen kann: nämlich einer zu werden, der man nicht ist. Vielmehr müsse man, so nun Lobo und Passig, aus dem, was man ist, die richtigen Schlüsse ziehen. Soll im konkreten Fall heißen, denn darum geht's in dem Band: Dem, der die drängenden Dinge wegdrängt und aufschiebt, seinen Willen lassen und statt der drängenden eben andere Dinge tun. Die wenigstens kriege man so geregelt, auch ohne strengere Formen von Selbstdisziplin. Liegenlassen gehört zu dieser Kunst der Prokrastination, Einsicht ins Prekäre heutiger Lebensumstände, kurzum: ein Realismus, der sich von keiner drängenden Forderung ins Bockshorn jagen lässt.
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