Sara Stridsberg

Darling River

Dorloresvariationen
Cover: Darling River
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2013
ISBN 9783100900524
Gebunden, 334 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein. Lolita ist die berühmteste Verführerin aus dem Roman des 20. Jahrhunderts. Sara Stridsberg hat eine neue Lolita geschaffen. Messerscharf seziert Stridsberg die Figur dieser rätselhaften Frau - Lolita als Kind, vom Vater misshandelt, Lolita als Männer verschlingender Vamp, als Mutter, Opfer und Täterin. Stridsberg erzählt präzise und gnadenlos die schmerzhaft schöne Geschichte aller Lolitas dieser Welt. Nie anklagend, sondern staunend, dass das Miteinander von Frau und Mann immer noch nicht so einfach ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.11.2013

Sara Stridsberg versteht sich auf "gebrochene Frauenfiguren", erklärt Carola Ebeling. Hier ist es Nabokovs Lolita, mit der sich die Autorin in einer vierfachen, um schicksalsschwere Motive kreisenden Variation auseinandersetzt, ohne dabei zu psychologisieren, wie die Rezensentin unterstreicht. Stridsberg emphatische Annäherung besteht darin, ihre Figuren nicht in das Korsett ausziselierter Geschichten zu pressen, sondern sie in flüchtigen, von düsterer Poesie geprägten Skizzen zu umreißen, erklärt Ebeling weiter. Nur lose, etwa in Form von sanften Hinweisen zwischen den vier Kapiteln, tun sich Verbindungen zwischen den Variationen auf - auch zum Beispiel in den mit "Enzyklopädie" überschriebenen, assoziativen Einschüben. So entsteht eine intensive Meditation über das Begehren und über die Grenze zwischen Liebe und Gewalt, stellt Ebeling fest.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2013

So recht will Rezensent Peter Urban-Halle nicht heraus mit seiner Meinung. Er fragt sich, ob die Autorin Sara Stridsberg Feministin ist, und gibt zu bedenken, dass sie ihre Bücher bisher "nur Frauen" gewidmet hat. Inwiefern das hier eine Rolle spielt, versteht man als Leser der Kritik nicht. In "Darling River" greift Stridsberg in vier Doloresvariationen Nabokovs Lolita auf, erfahren wir. Immer aus einer anderen Perspektive - mal als Tochter, mal als Schwangere, die nach der Geburt stirbt, mal als "mysteriöse Mutter" und mal als Äffin. Gemeinsam haben diese vier Variationen, so der Rezensent, dass sie von der Natur bezwungen werden. Stridsberg selbst habe ihre Bücher als Spiegelkabinette beschrieben und das, meint Urban-Halle, passt auch auf dieses Buch, das ihn - immerhin - nicht kalt gelassen hat, wie er bekennt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2013

Sex, Fleisch und Einsamkeit; Martin Halter kann die Weltsicht der Autorin nicht anders als finster nennen. Wenn eine Lolita-Variante sich den Dreck von der Seele redet, die Wunden benennt von Männern, Vätern, falschen Ideologien, fühlt sich der Rezensent nur von fern an Nabokovs Roman erinnert. Oder durch die Sicht der Radikalfeministin Sara Stridsberg, ihrer Figur, deren dunklem Bewusstseinsstrom, der jede Menge Eiter und Blut mit sich führt, wie Halter warnend feststellt. Die vier lose verknüpften Erzählstränge lassen laut Halter an Drastik nicht viel zu wünschen übrig.
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