Lea Ruckpaul

Bye Bye Lolita

Roman
Cover: Bye Bye Lolita
Voland und Quist Verlag, Dresden und Leipzig 2024
ISBN 9783863914226
Gebunden, 312 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Dolores Haze - die Lolita aus Vladimir Nabokovs gleichnamigem Roman - ist vom Mädchen zur Frau geworden. Mit Ende dreißig blickt sie zurück auf ihr beschädigtes Leben und fragt sich, wie sie die geworden ist, die sie heute ist. Lea Ruckpaul erzählt in ihrem Debütroman von einer Überlebenden, die sich freischreibt und die um keinen Preis ein Opfer sein will. "Bye Bye Lolita" ist der wütende Abgesang auf ein Klischee, welches das Bild von jungen Frauen bis heute prägt - und auf die Machtverhältnisse, die das ermöglichen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 23.11.2024

Vladimir Nabokovs "Lolita" hat Epoche gemacht mit seinen Schilderungen des Pädophilen Humbert Humbert, der sich an der zwölfjährigen Dolores, genannt Lolita, vergreift - deren Geschichte wird jetzt von Lea Ruckpaul erzählt, berichtet Rezensentin Undine Fuchs. Drastisch, das heißt eben gerade nicht romantisierend und die Augen verschließend, schreibt sie über die Vergewaltigungen und die Vernachlässigung, die Lolita erfahren hat und verwandelt ihren Text damit in eine Anklage, auch gegenüber an die Leser, so Fuchs. Ein Buch, das ein Wagnis damit eingeht, einen Klassiker zu dekonstruieren und dieses Wagnis souverän meistert, indem es allen entgegenschreit: Lolita ist "nicht eure geile heimliche Bumsphantasie!", wie die Kritikerin ebenfalls wütend rufen möchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2024

Rezensent Stefan Michalzik liest mit "Bye Bye Lolita" ein "bemerkenswertes" Debüt - eine Antwort auf Nabokovs "Lolita", hier erzählt aus der Perspektive der inzwischen 40-jährigen Dolores, die nicht länger Lolita genannt und auch nicht auf die Opferrolle reduziert werden will. Bemerkenswert daran: Die "straffe Konsequenz", mit der die Autorin und Schauspielerin Lea Ruckpaul Dolores' Ringen um Autonomie schildert, ihre Auseinandersetzung mit der ungeheuerlichen Tat, und vor allem die Konsequenz, mit der sie auf der Komplexität der Verhältnisse beharrt, lobt Michalzik. Der Täter steht fest, aber was ist mit den Frauen, die sich dienstfertig den patriarchalen Strukturen anpassen, den gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen und andere dazu drängen, die ebenfalls zu tun? Ruckpaul geht es nicht darum, Betroffenheit zu erzeugen, ihr geht es um die Kritik am System, erklärt der Kritiker, der die etwas zu kampfschriftartigen Erklärungen am Ende nicht gebraucht hätte, um das zu verstehen.