Aus dem Schwedischen von Hanna Granz. Jedes Jahr im Frühling kehren sie nach dem Winter in ihr "Sommerland" am See im Nordwesten Schwedens zurück. Doch in diesem Frühjahr ist alles anders: Als die dreizehnjährige Iŋgá mit den Rentieren, Mutter und Tante das Tal erreicht, ist ihr Dorf versunken. Birken, Hütten, das Hab und Gut der Familie und vor allem das Grab des Vaters - alles unter Wasser, rücksichtslos geopfert für die Wasserkraftproduktion und den Profit der Städte im Süden. Es beginnt ein jahrzehntelanger Kampf gegen die Mächtigen des Landes, der nicht nur die drei Frauen, sondern das ganze sámische Dorf vor eine Zerreißprobe stellt.Elin Anna Labba erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte ihrer Gemeinschaft und schafft ein Zeugnis für das Recht auf Selbstbestimmung und die Verbundenheit von Mensch und Natur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2025
Bedrückend und schön zugleich findet Rezensent Matthias Hannemann diesen bedeutenden Roman von Elin Anna Labba über ihre Vorfahren, die Samen: Sie leben im atemberaubenden Schwedisch-Lappland und werden tagtäglich von der schwedischen Regierung unterdrückt und mit Rassismus bedacht. So erfahren wir, was Touristen oft nicht wissen wollen: Der Stausee Akkajaura ist ein "Ort der Zerstörung und Vertreibung", die Schwestern Rávdná und Ànna sowie Rávdnás Tochter Inga wollen eines Frühjahrs zurück in ihr Sommerquartier kommen, von dem allerdings nichts mehr steht. In hochpoetischer Sprache, übersetzt von Hanna Granz, lernt Hannemann auch von der Perspektive des Stausees selbst, aber vor allem von den Frauen, was das Volk der Samen an staatlichen Repressionen aushalten musste und schaut nun mit einem neuen Blick auf Lappland.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2025
Rezensentin Kathleen Hildebrand schätzt die Aufklärungsarbeit, die Elin Anna Labba in ihrem Roman leistet: über den Preis, der für den hohen Anteil an Wasserkraftgewinnung in Schweden bezahlt werden muss, und zwar vom indigenen Volk der Samen, zu dem die Autorin auch selbst gehört. Aber obwohl Labba ganz klar auch Aktivistin ist - sie hat bereits ein mit dem August-Preis ausgezeichnetes Sachbuch zum Thema geschrieben, weiß Hildebrand -, gerate ihr Roman nicht zum "Pamphlet", findet die Kritikerin: zu "evokativ" wisse Labba zu schreiben, es geht um drei samische Frauen zweier Generationen, die mit den desaströsen Überschwemmungsfolgen einer Staudammerhöhung leben müssen, mit dem Verlust von Lebensraum und den Zumutungen schwedischer "paternalistischer" Bevormundung. Bemerkenswert findet Hildebrand hier Passagen, in denen der See selbst zu Wort kommt, wie auch ein Glossar, das zum eigenen Nachrecherchieren samischer Wörter veranlasst. Ein lehrreiches Buch voller Schmerz und mit latentem Kampfgeist, das der Kritikerin zu imponieren scheint.
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