Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn. Im verschneiten Wald nahe des Bergdorfs San Giuda werden die Leichen von elf Touristen gefunden. Die Autopsie der Leichen offenbart etwas Unfassbares: elf Leichen, elf Todesursachen. Mord und Selbstmord, Krebs und Herzinfarkt. Ein Opfer scheint dem Biss eines Haifisches erlegen zu sein. Nichts passt zusammen. Während die Behörden die unerklärlichen Details der Tragödie vertuschen, versuchen der Priester Don Ermete und die Psychologin Giovanna, das Rätsel zu lösen. Ihre Ermittlungen führen den Leser auf eine philosophische Reise in die Grenzgebiete unseres Verstandes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2012
Die Zutaten findet Niklas Bender eigentlich vielversprechend: ein Bergdorf in den Alpen, ein mysteriöser Massenmord, ein unkonventionelles Ermittlerpaar (Priester und Psychiaterin), Schauerromantik. Leider gelingt es dem Autor nicht, sie zu einem schmackhaften Ganzen zu komponieren. Außer Tiefsinn vermisst Bender vor allem Spannung und den richtigen Ton. Und wie sich ein Geheimnis kreieren und latente Spannung aufbauen lässt, das weiß Sandro Veronesi laut Bender auch nicht. Die theologisch-psychologischen Reden und Paradoxien, mit denen sich der Autor stattdessen aufhält, sind für Bender kein Ersatz.
Nun ja. Katharina Granzins Begeisterung über diesen italienischen Bestseller von Sandro Veronesi hält sich in Grenzen. Der Roman um einen rätselhaften Massenmord in der Nähe eines abgelegenen Bergdorfes in den italienischen Alpen, der einen Pfarrer und eine Psychiaterin nach Erklärungen für das Unerklärliche suchen lässt, ist in ihren Augen kein Krimi. Sie versteht das Buch eher als einen "literarisch-philosophischen Versuch" über Gewalt, Schuld und die Existenz des Metaphysischen. Als einen unbefriedigenden allerdings. Dies liegt ihres Erachtens nicht daran, dass am Ende alle Fragen offen bleiben, sondern daran, dass für sie schlicht unklar bleibt, um welche Fragen es eigentlich gehen soll. So wirkt der Roman auf Granzin wie ein unendlicher Strom von Worten, dessen Sinnhaftigkeit sich ihr entzieht.
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