Aus dem Italienischen von Victroia Lorini. Kein europäisches Land hat ein so immenses kulturelles Erbe wie Italien, kein Land solche Schwierigkeiten im Umgang mit diesem Erbe. Salvatore Settis, emeritiert und frei von allen akademischen Zwängen, ist in den letzten Jahren zum guten Gewissen dieses Landes geworden. Immer wieder stellt er bohrende Fragen: Wie gehen die Italiener mit ihren Schätzen um, und was machen wir Europäer mit unseren kulturellen Gütern? Venedig mit seiner einzigartigen Architektur, Geschichte und geographischen Lage, aber auch Venedig als Ausbund der Kommerzialisierung dieser Einzigartigkeit nimmt Settis als Ausgangspunkt für universelle Überlegungen: Gibt es so etwas wie die Seele einer Stadt? Und was ist das? Die Eigentümlichkeit, die Geschichte, die Einwohner? Warum gehören Wolkenkratzer zu New York, aber nicht nach Venedig? Muss man 'Städteschönheit' als 'Weltkulturerbe' konservieren, oder brauchen Städte eine 'kreative Zerstörung'? Wie steht es mit dem 'Recht auf Stadt'?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2016
So begeistert wie besorgt liest Rezensent Andreas Rossmann diese Streitschrift des italienischen Kunsthistorikers Salvatore Settis, der Venedig seinen Fakes immer ähnlicher werden sieht. Zwar weiß der Rezensent, dass Venedig schon Schlimmes überstanden hat - die Belagerung der Türken, die Eroberung Napoleons, eine ruinöse Stadtplanung - , doch Settis kann ihm begreiflich machen, dass heute der "Angriff der Gegenwart" auf die Stadt total ist, und zwar nicht nur auf Venedig, sondern auf die Stadt als Form des menschlichen Miteinanders. Wie Settis das macht? Nicht nur, indem er die Auswirkungen von Massentourismus, Ausverkauf und Spekulation in aller Drastik beschreibt. Sondern auch, wie der beeindruckte Rezensent versichert, indem er Gelehrsamkeit und Engagement, Intellekt und Moral zu "luzider Essayistik" verbindet.
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