Sait Faik Abasiyanik

Geschichten aus Istanbul

Erzählungen
Cover: Geschichten aus Istanbul
Manesse Verlag, München 2012
ISBN 9783717522881
Gebunden, 384 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen übersetzt und mit Nachwort versehen von Gerhard Meier. Sait Faiks Istanbul ist ein Kosmos wundersamer und doch ganz normaler Menschen. Der Straße abgelauscht, im Kaffeehaus notiert, verleiht jede seiner unvergesslichen Geschichten der Vielvölkermetropole ein eigenes Gesicht: Die sanfte Barfrau Melâhat hilft einem phlegmatischen Kaufmannssohn beim Erwachsenwerden; Haydas, ein Kaffeehausbesitzer, verliert sein Herz an einen gefräßigen Seehund; Ahmet und Gülüm beginnen ihre arrangierte Ehe mit einer ungewöhnlichen Hochzeitsnacht. Sait Faiks atmosphärisch-dichte, skizzenartige Erzählungen schlugen in der türkischen Literatur des 20. Jahrhunderts einen völlig neuen Ton an. Mit dieser Kurzprosa führte er sie stilistisch wie thematisch in die Moderne.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2013

Direkt und humorvoll, lässig und ein bisschen macho, findet Astrid Kaminski die Short Storys von Sait Faik, den sie überschwänglich in einem Atemzug mit Poe und Kafka nennt. Wer das verwunschene Istanbul der 50er Jahre, das der kleinen Diebe und Lebenskünstler, durchqueren will, der, so rät Kaminski, greife zu Faiks Band. Zwar findet sie den Autor weniger politisch als etwa seinen Kollegen Metin Eloğlu, Faiks Prosa tendiert für sie aber dennoch zum Nichtkonformen, etwa durch die Absage an ausgrenzenden Nationalismus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012

Der 1954 verstorbene Sait Faik ist laut dem hier rezensierenden Dichter Nico Bleutge einer jener Autoren, die die türkische Literatur in die Moderne geführt haben. Höchst angeregt liest Bleutge diese Erzählungen aus einem versunkenen Istanbul, um dessen Vielfalt es dem Autor unter anderem zu tun war: Allein das Beharren darauf war laut Rezensent wohl schon eine Provokation für die mit Entschlossenheit aufrechterhaltene "einheitliche Nationalidee" Atatürks. Sait Faik scheint sich der Stadt von den Rändern her zu nähern, viele Episoden spielen in Vororten oder auf den Prinzeninseln. Auch der Erzähler selbst inszeniert sich laut Rezensent als Randfigur und widmet sich Menschen, die selbst in der  Mitte stehen: Dorflehrern und Kuhhirten, Kaffeehausbesitzern und verwöhnten Mädchen, die sämtlich in der "Zwangsjacke des Alltags" stecken. Bleutge lobt auch Gerhard Meiers "geschmeidige" Übersetzung.

Themengebiete


Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Ben Lerner. Transkription - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Ben Lerner: Transkription
Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Karl Ove Knausgard. Arendal - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Karl Ove Knausgard: Arendal
Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…