"Steppenrutenpflanze" ist die Erinnerung einer Kindheit in einem kurdischen Gebiet der Türkei. Auf Streifzügen durch den dörflichen Alltag und durch die Jahreszeiten, die das ländliche Leben prägen, tritt den Lesenden die facettenreiche Kultur dieses Volkes entgegen. Vermittelt durch den unverstellt-kindlichen Blick bleiben aber auch die Benachteiligung der Kurden durch die türkische Verwaltung, die sprachliche Diskriminierung und politische Verfolgung nicht verborgen. Für die eigenen Lebensbedingungen stehen sinnbildlich die Märchen und Geschichten, die man den Kindern erzählt und die gleichzeitig von der großen kurdischen Erzähltradition zeugen. Zusammengesetzt aus kleinen Episoden, die der Autor mit Witz, Leichtigkeit und Ironie schildert, entsteht Stück für Stück ein Bild kurdischer Lebenswelt, die mit dem Ende jener Kindheit selbst langsam Vergangenheit wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2000
Bettina Spoerri bespricht das Buch mit leiser, und doch großer Sympathie. Besonders gefällt ihr, dass der Autor hier die "kurdische Tradition des Geschichtenerzählens in schriftlicher Form" weiterleben lässt, eine Tradition, die - wie sie meint - durch den Einzug des Fernsehens in die ländlichen Gebiete im Aussterben begriffen ist. Besonders die sinnlichen Aspekte des Buchs hebt sie ausdrücklich hervor: Der Einfluss der Jahreszeiten auf das Leben der Dorfbewohner, Gerüche, der Geschmack der Lebensmittel. Aber auch über Sitten und Gebräuche sowie Fragen der Ehre lerne der Leser hier einiges - eingerahmt in die Geschichte eines kleinen Jungen, der etwas über das frühere Leben seines Vaters, und damit über sich selbst erfahren möchte.
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