"Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verlangt es uns heute längst nicht mehr nach einem Abbild symbolischer Ordnung, wie sie noch die Menagerie Ludwigs XIV. verkörperte. Dessen Baumeister Louis Le Vau ordnete die Gehege in sogenannten Logen an. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus. Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht. So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Künstlich bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören. Große Freigelände ersetzen einzelne Gehegebauten und versammeln Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Klimazonen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2014
Ein bisschen wie im Zoo fühlt sich Beate Tröger beim Lesen der Gedichte von Sabine Scho. Zwischen Form und Entfesselung scheint ihr nämlich die Sprache sich hier zu winden. Das ergibt frische Räume für Tröger, in denen sich Sprache spielerisch entfaltet. Darüber hinaus bietet der Band als Ergebnis zahlreicher Zoobesuche der Autorin kluge Überlegungen zum Thema Mensch und Tier im Zoo, die Tröger wiederum auf das Gedicht zurückbringen: Jagen und Sammeln und Beherrschung des Vorgefundenen hier wie dort, so erklärt sie.
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