Sabine Peters

Narrengarten

Roman
Cover: Narrengarten
Wallstein Verlag, Göttingen 2013
ISBN 9783835313453
Gebunden, 237 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Die Leute in diesem Roman sind ganz normale Narren: ein Ehemann mit nächtlichen Albträumen, eine gestresste Pharmavertreterin, ein verliebter Rechtsanwalt, eine Alte mit dem Kopf voll Erinnerungen oder ein Museumsbesucher, der vor Bildern auf die Knie fallen will. Ein Roman aus bunten, nicht selten komischen Geschichten. 28 Leute werden uns mit beiläufiger Präzision in ihren großen und kleinen Nöten und Träumen vorgestellt. Oder sie erhalten selbst das Wort, und wir hören sie sprechen mit jeweils sehr eigener Stimme - witzig, anmaßend, nachdenklich oder überspannt und manchmal alles zugleich. Ein vielstimmiger Chor entsteht, dissonant mitunter, aber schnell wird deutlich, dass es Verbindungen untereinander gibt. Die Leute arbeiten miteinander, sind befreundet oder verwandt, wenn auch manchmal über mehrere Ecken. Oder es begegnen sich ganz Fremde im Stadtgetümmel und nehmen sich für einen Augenblick als Zeitgenossen wahr, die nicht nur Ort und Zeit miteinander teilen, sondern auf verrückte Weise miteinander zu tun haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2013

Mit Sabine Peters' neuem Episodenroman "Narrengarten" hat Rezensentin Jutta Person ein ebenso vergnügliches wie anrührendes "Gedankendurcheinander" gelesen, in dem ihr ein kurioses Ensemble an Figuren von "kaurismäkihafter" Verschrobenheit begegnet. Gerlinde etwa, die abgeklärte Bibliothekarin, die ihre Besucher bissig bewertet, aber doch schätzt. Oder die Schriftstellerin Marie, wohl das Alter Ego der Autorin, die 22 Jahre lang mit einem 2008 verstorbenen Schriftsteller verheiratet war. Die Kritikerin erkennt bald, dass all die Figuren, die knapp in ihrer Alltagstragik skizziert werden, in einem Verhältnis zu dem Schriftsteller-Ehepaar stehen. Auch wenn Peters gelegentlich die ein oder andere Milieustudie oder Stimmungsskizze zu "mitfühlend" gerät, bewundert Person die Autorin für ihren verträumt-bodenständigen Tonfall, der ganz ohne Kitsch auskommt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.08.2013

Sabine Vogel übt sich in Mimesis: Sabine Peters' aufs wesentliche konzentrierte Darstellung eines ganzen Reigens lose nebeneinander stehender "Einsamkeitsexistenzen", unter denen es zwar Verbindungen, aber keinen festen Halt gibt, stellt sie absatzweise rhetorisch nach, wenn sie lose von Peters' Figuren erzählt, assoziativ zwischen ihnen hin und her springt und damit immerhin eine Ahnung dessen schafft, wie sich der vorliegende Roman wohl lesen dürfte. Am Ende ihrer Buchvorstellung würdigt sie Peters kurz und knapp als melancholische Lakonikerin mit genauem Blick und einem Gran Bosheit. Ihr gelinge eine "vibrierende Textur aus Resignation und überlebenstrotzigem Weiterdriften" und nach dieser, bekennt Vogel, ist sie richtig süchtig geworden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2013

Ein Kaleidoskop norddeutschen Lebens mit vielen Charakteren und Begebenheiten, zu vielen für Gerhard Schulz, hat der Rezensent da gelesen. Aber ist es auch ein Roman? Schulz hat so seine Zweifel, ob dieses Patchwork-Porträt Hamburgs sich zu einem Großen Ganzen fügt. Elbphilharmonie, der Dom, die Kunsthalle, dazu Piet und Mareike, Sonja und Andrea, Frau Müller aus Flottbek und wie sie alle heißen, die Hamburger Musikszene und Frauen in den Wechseljahren. Der Rezensent kriegt es nicht zusammen und hat am Ende mehr Fragen als Antworten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.07.2013

Ein "Sozialpanorama" eröffnet Sabine Peters in ihrem nicht ganz zutreffend als "Roman" klassifizierten Buch "Narrengarten", berichtet Ijoma Mangold: zwar bestehen zwischen den 26 Figuren, um die es in ebensovielen Kapiteln geht, gewisse Verbindungen, aber eine Handlung hält sie nicht zusammen. Macht aber nichts, findet der Rezensent, den das Prinzip an Robert Altmans "Short Cuts" und Ingo Schulzes "Simple Storys" erinnert, die Autorin ergründe die Befindlichkeiten dieser alle Hamburger Schichten vertretenden Einzelfälle "soziologisch wie sprachlich nuancenreich" und "mit hintersinnigem Witz", nimmt die Figuren dabei stets ernst und lässt ihnen bei allen Unzulänglichkeiten ihre Würde.

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