"Faustas" und "Faustinen" verkörpern Modelle eines freien und selbstbestimmten Frauenlebens oder - aus männlicher Perspektive - "besorgte Warnungen vor den vermeintlichen Gefahren der Emanzipation". Die Goethe-Begeisterung des 19. Jahrhunderts beeinflußte außerdem Stoffkreise, die sich unabhängig vom Faust-Mythos entwickelt hatten: Die Päpstin Johanna und die niederländische Teufelsbündlerin Mariken von Nymwegen wurden als "weiblicher Faust" beansprucht. Mit diesen wechselvollen Vereinnahmungen sind die weiblichen Faustgestalten auch Teil der Wissenschaftsgeschichte. Im Zentrum des Buches stehen ausführliche Interpretationen der Faust-Adaptionen der Gräfin Ida Hahn-Hahn, Frank Wedekinds und Irmtraud Morgners.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.04.2002
Hans-Albrecht Koch lobt diese Studie über weibliche Faustgestalten von ihren Urtypen bis in die 80-er Jahre des 20. Jahrhunderts über den grünen Klee. Dabei sieht er als nicht geringstes Verdienst an, dass die Autorin ihre Leser dazu anregt, selbst die Fäden zu verfolgen, die sie ausgelegt hat. Koch preist das Buch als "exzellente Studie" und findet es besonders lobenswert, dass sich die Autorin "nie zu schade ist", auch die unbekannteren Werke, die sie behandelt, detailliert vorzustellen - und das sogar unter Verzicht auf jeglichen "germanistischen Jargon"! Richtig freuen tut er sich abschließend darüber, dass Doering an keiner Stelle in einen "aggressiv-feministischen" Ton verfällt, obwohl das Thema der Untersuchung dies leicht gemacht hätte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2001
Nicht nur Männer können richtig teuflisch sein, Dämonen gab es, zumindest in der Literatur, auch in der Gestalt von Frauen, nur dass das die Literaturgeschichte kaum wahrhaben will, schreibt der Rezensent mit dem Kürzel "upj.". Diesem Misstand hat die Oldenburger Professorin für neuere deutsche Literatur, Sabine Doering, nun Abhilfe geschaffen, denn in ihrer Geschichte geht es ausschließlich um "Faustinen" wie Wedekinds "Franziska", die "Gräfin Faustine" der Gräfin Ida Hahn-Hahn oder um Irmtraud Morgners Triebwagenfahrerin Laura Salman. Dem Rezensenten hat die originelle Studie offensichtlich sehr gefallen, denn, so schreibt er, Doering sei mit großem Ernst der Frage nachgegangen, wie Frauen versucht haben, "faustische Handlungsmöglichkeiten" für das weibliche Geschlecht zu erkunden.
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