Herausgegeben und aus dem Französischen übersetzt von Lis Künzli. Corinna Bille und Maurice Chappaz waren ein Liebespaar, ein Schriftstellerpaar und später Eltern von drei Kindern. Um sich jeder ein eigenes Leben zu bewahren, entschieden sie sich für die Nähe auf Distanz, wohnten meist getrennt oder waren viel auf Reisen. Diesem Umstand verdanken wir einen so umfassenden wie faszinierenden Briefwechsel, fast vom Tag ihrer ersten Begegnung 1942 an bis zum Tod von Corinna Bille im Jahr 1979, der nun erstmals auf Deutsch erscheint.
Wir lesen berührende, zärtliche Liebesbotschaften wie auch Zeilen gegenseitiger Enttäuschung, und wir verfolgen den intensiven Austausch zur Entstehung zweier Lebenswerke, die damit verbundenen Krisen, das Ringen um den zum Schreiben unabdingbaren Freiraum inmitten von Familie, finanzieller Bedrängnis und täglichen Sorgen. Und wenn etwa der Grenzsoldat Maurice Chappaz den Dienstalltag beschreibt und Corinna Bille die Schwierigkeiten, für ihr zu Beginn verheimlichtes Kind zu sorgen, werden auch die zeitlichen Umstände greifbar, wie hier die Auswirkungen des Kriegs in der Schweiz, was aus dem Schriftsteller-Briefwechsel zudem ein besonderes Zeitdokument macht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2019
Doppelte Dichterliebe, von Dichter zu Dichterin und umgekehrt, ein romantisches, wildes und - damals gab es das noch in der Schweiz - armes Paar. Mit Dringlichkeit empfiehlt Roman Bucheli diesen Band mit Briefen, deren Intensität im Lauf der Jahrzehnte nicht nachlasse, auch nicht als die Liebe zueinander und zur Dichtung durch die Realität geprüft wurde und Corinna Bille wegen der Kinder gebundener war als Maurice Chappaz. Immerhin, vier Jahre vor ihrem frühen Tod, erhielt sie für "La Demoiselle sauvage" den Prix Goncourt. Der Band ist gegenüber dem französischen Original leider auf ein Drittel geschrumpft, bedauert Bucheli, der sich für deutschsprachige Leser einige Erläuterungen gewünscht hätte.
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