Rutu Modan

Das Erbe

Cover: Das Erbe
Carlsen Verlag, Hamburg 2013
ISBN 9783551785763
Gebunden, 224 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

In "Das Erbe" steht eine alte Hinterlassenschaft in Warschau im Zentrum der Erzählung. Eine ältere Dame, die vor den Nazis aus Polen geflohen ist, kehrt mit ihrer Enkelin nach vielen Jahren zurück, um - vordergründig - Anspruch auf ein altes Erbe zu erheben. Doch sie hat mehr auf der Agenda als nur das, es ist für sie auch eine sehr persönliche Reise in die eigene Vergangenheit und zu einem Mann, den sie einst liebte. Auf kunstvoll leichte Weise verwebt Rutu Modan gesamtgesellschaftliche mit privaten Fragen und führt so die Geschichte zurück auf die sie konstituierenden Individuen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.11.2013

Rutu Modan beschreibt in ihrer Graphic Novel "Das Erbe" die Widersprüche und Ambiguitäten, die sich zwangsläufig aus der polnisch-jüdisch-israelischen Geschichte ergeben, berichtet Katja Lüthge. Die unterschiedlichen Erinnerungsarten können touristisch und sensationslüstern wirken, pädagogisch, wehmütig, wütend, sprachlos - Rutu Modan versucht diese Widersprüche aufrecht zu erhalten, nicht aufzulösen, erklärt die Rezensentin. Sie schickt die alte, wenn auch renitente Dame Regina Segal mit ihrer Enkelin auf eine Reise von Israel nach Warschau, angeblich, um vermeintliche Rückübertragungsansprüche einzufordern, allerdings hat Segal heimlich andere Pläne, fasst Lüthge zusammen. Die will die Rezensentin aber nicht verraten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.10.2013

Der an Hergé geschulte saubere Strich der israelischen Comic-Autorin Rutu Modan verbirgt das Grauen nur vordergründig, findet Christian Gasser, der das Spiel des Verdeckens und Zeigens, von Klarheit und Verdrängung, Humor und Tragödie an dieser Geschichte um ein jüdisches Erbe besonders hervorhebt. Was ganz gegenwärtig als Erbschaftsangelegenheit beginnt, findet im Fortgang der Geschichte laut Rezensent immer mehr sein eigentliches Thema: der Holocaust und seine Nachwirkungen bis heute. Wie Modan die Komplexität der Geschichte handhabt und ihr kriminalistisches, tragisches und durchaus auch komisches Potenzial herausarbeitet, hält Gasser für meisterhaft, für unterhaltsam und spannend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.09.2013

Hellauf begeistert ist Christian Schlüter von Rutu Modans Comic, in dem die junge Israelin Mika mit ihrer Großmutter nach Warschau reist, um dort die Geschichte, ein geerbtes Haus und eine alte Liebe wiederzufinden. Experimentiertfreudig und "ästhetisch klug" findet Schlüter, wie sich Modan hier ihrem Thema nähert, denn obwohl es um den Holocaust und seine Aufarbeitung geht, konnte Schlüter auch herzlich lachen bei der Lektüre. Denn fern aller Betroffenheit befasst sich hier eine in der Comic-Kunst versierte Autorin auch Liebe und Eifersucht, Habgier und Großmut, kurz mit den ganzen Unzulänglichkeiten des Menschen und seiner Familie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2013

Die Comic-Szene in Israel mag klein sein, dafür findet Christoph Haas sie aber extrem spannend. Rutu Modan gehörte bis zu dessen Auflösung zum Zeichnerkollektiv "Actus Tragicus" und hat bereits mit ihrer Graphic-Novel "Die Blutspur" bewiesen, dass sie auch alleine brillieren kann, berichtet der Rezensent. In "Das Erbe" geht es vordergründig wieder um ein Familiengeheimnis, Mika, eine junge Frau, reist mit ihrer neunzigjährigen Großmutter Regina nach Warschau, wo die alte Dame einst aus ihrer Wohnung und ihrer Heimat vertrieben wurde. Eigentlich wollen die zwei nur die Wohnung in Augenschein nehmen, die Regina wieder zuerkannt wurde, die starrsinnige "Über-Oma" verfolgt aber noch eine eigene Agenda, fasst der Rezensent zusammen. Diesen Vordergrund hat Modan gelungen komisch gestaltet, unterschwellig verhandelt sie aber auch die Geschichte der europäischen Juden den Umgang mit diesem Erbe, wodurch sich Komik und Ernst waghalsig verschränken, erklärt Haas. Modan scheint das Kunststück zu gelingen.
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