Aus dem Französischen von David Basler. 2008 trifft der Franzose Maximilien Le Roy den Palästinenser Mahmoud Abu Srour im Rahmen eines Zeichenworkshops im Kulturzentrum des Flüchtlingslagers Aida bei Bethlehem. Beide sind 22 Jahre alt und verstehen sich auf Anhieb. Ein Jahr später reist der Autor Le Roy noch einmal zu Mahmoud. Aus dieser Begegnung entstand dieses eindringliche Buch, in dem Mahmoud aus seinem Alltag erzählt, der von den israelischen Sperranlagen um das Westjordanland geprägt ist.
"Eher ungewöhnlich", aber auch "irritierend" findet Rezensent Christoph Haas diese Graphic Novel, in der Maximilien le Roy die Erlebnisse und Erinnerungen des gleichaltrigen Palästinensers Mahmoud Abu Srour, den der Zeichner vor einigen Jahren kennengelernt hat, illustriert. Ästhetisch hat der Rezensent an dieser Umsetzung nichts auszusetzen, im Gegenteil: Maximilien le Roy gelingen "wunderbare Bilder", überdies sei dessen handwerkliches Geschick auch in "verschiedenen Stilen" bemerkenswert. Doch stößt sich Haas mitunter an den politischen Botschaften, obwohl der Protagonist Selbstmordattentate etwa strikt ablehnt und von einem Staat träumt, in dem viele Konfessionen miteinander in Frieden leben können. Mit der "antiimperialistischen Rhetorik" und dem raunenden Islamo-Marxismus hat der Rezensent indessen seine Probleme, "infam" werde der Comic schließlich, wenn die Sprache auf den 11. September komme, an dem der Westen laut den im Comic vorgetragenen Überzeugungen selbst die Schuld trage. Ein zwiespältiges Leseerlebnis, schließt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012
Drei Comic-Reportagen hat Thomas von Steinaecker sich angesehen, ein Genre, das stark im Trend liegt und der klassischen Reportage mitunter überlegen ist, wie er anmerkt. In "Die Mauer" lässt Maximilian Le Roy den Palästinenser Mahmoud berichten, der in einem Flüchtlingslager im Westjordanland im Lebensmittelladen seiner Eltern arbeitet und unter dem Trauma der Zerstörung seines Bauernhofs durch israelische Soldaten leidet. So sehr dem Rezensenten die poetische Erzählweise und die Umsetzung in knappen aber sehr eindrücklichen Kohlezeichnungen zusagen, so unbefriedigt ist er von dem in seinen Augen "dünnen Plot". Dass viele Informationen über die politische Lage im Comic nicht vermittelt, sondern in Anhängen nachgeliefert werden, findet er nicht überzeugend, und so hat er am Ende eher den Eindruck von einer "Materialsammlung" als von einer stimmigen Geschichte.
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