Christophe Gaultier, Vincent Lemire

Jerusalem

Die Geschichte einer Stadt
Cover: Jerusalem
Jacoby und Stuart Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783964282408
Gebunden, 256 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Edmund Jacoby. In dieser Graphic Novel erzählt der Historiker Vincent Lemire eine viertausendjährige Geschichte der Heiligen Stadt, die einen ebenso erstaunt wie beunruhigt zurücklässt. Vor 4000 Jahren war Jerusalem eine kleine, isolierte Siedlung, die auf einem Gebirgskamm zwischen dem Mittelmeer und der Wüste lag. Heute ist es ein Ballungsraum mit fast einer Million Einwohnern, der die Blicke auf sich zieht und Besucher aus aller Welt anlockt. In der Zwischenzeit wurden hier der Monotheismus erfunden, die größten Eroberer haben sich der Stadt bemächtigt und die größten Imperien haben sich hier bekämpft. Jerusalem war abwechselnd ägyptisch, persisch, jüdisch, griechisch, römisch, byzantinisch, arabisch, kreuzfahrerisch, mameluckisch, osmanisch, englisch, jordanisch, palästinensisch und israelisch und steht im Zentrum der Interessen und Leidenschaften der Welt. Als Wiege des Judentums und des Christentums und als heilige Stadt des Islam ist es heute ein spiritueller Mittelpunkt für mehr als die Hälfte der Menschheit. In zehn Kapiteln erzählen berühmte und anonyme Akteure und Zeugen, die im Laufe der Jahrhunderte durch Jerusalem gewandert sind, von dieser Melange unterschiedlichster Einflüsse. Nichts in diesem Buch ist erfunden: Szenen und Dialoge stammen aus über 200 veröffentlichten Quellen und unveröffentlichten Archiven, um dieser chorischen Erzählung Fleisch zu verleihen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2024

Angeregt liest Rezensentin Lena Bopp Vincent Lemires nun auf Deutsch vorliegende Graphic-Novel über die Geschichte Jerusalems, von 2000 Jahre vor Christus bis heute. Die zahlreichen Kriege und politischen Konflikte, die sich um die Stadt entsponnen haben, werden thematisiert, eine Antwort auf die Frage, wem Jerusalem findet Bopp nicht. Sehr schön findet sie, wie die als Karikaturen stilisierten Figuren, zumindest meistens, aus ihrer eigenen Erfahrungswelt heraus zu sprechen scheinen, anstatt nur Behälter für Wissen zu sein. Die jüngeren Auseinandersetzungen um den Nahostkonflikt nehmen in dem Buch keine privilegierte Stellung ein, erklärt die Rezensentin, es gehe stattdessen zum Beispiel auch viel um die Zeit der Osmanischen Herrschaft, in der die Stadt ausnahmsweise zur Ruhe kam und der Fortschritt Einzug hielt. Dennoch kann man hier und da Parallelen zum Beispiel zum 7. Oktober stellen, findet Bopp, der die Ausgewogenheit dieses mosaikartigen Buches gut gefällt.

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Dörte Hansen. Broder - Roman. Penguin Verlag, München, 2026.Dörte Hansen: Broder
Broder Bahnsen wollte nie etwas anderes als Bauer werden, Nachfolger seines Vaters, der ihm den "Kuhverstand" vererbt hat, das Gespür für Tiere. Aber den Hof bekommt sein…