Rüdiger Frank

Nordkorea

Innenansichten eines totalen Staates
Cover: Nordkorea
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2014
ISBN 9783421046413
Gebunden, 432 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Nordkorea ist das isolierteste Land der Erde. Wenige Nachrichten dringen aus dem vom Kim-Clan diktatorisch regierten Staat nach außen, und wenn, dann sind es meist Negativschlagzeilen: Nahrungsmittelknappheit, Menschenrechtsverletzungen, brutale Straflager, Atomwaffenversuche, Waffenhandel, Streit mit Südkorea. Die völlige ideologische Gleichschaltung wird von der Bevölkerung augenscheinlich klaglos hingenommen. Rüdiger Frank ist einer der wenigen Kenner Nordkoreas, seit vielen Jahren besucht er das Land regelmäßig. Er beschreibt die Machtstrukturen und die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Geschichtsverständnis und den Alltag.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.04.2015

Rezensent Matthias Nass lobt den Ökonomen Rüdiger Frank einerseits für dessen Kenntnisse Nordkoreas, die in Deutschland einmalig seien. Dessen Einschätzung des "Reformpotentials des jungen Führers" Kim Jong Un will er aber nicht vorbehaltlos zustimmen. Es mag ja sein, dass es mehr Autos auf den Straßen, mehr Handys und Kreditkarten gibt als früher, aber der Staat fällt noch immer zu sehr durch Verletzungen der Menschenrechte und eine mangelhafte Grundversorgung mit Nahrungsmitteln auf, kritisiert der Rezensent. Auch auf das Atomprogramm Nordkoreas geht Frank in seinem Buch nicht ein, tadelt Nass, der zwar nachvollziehen kann, dass der Autor der Dämonisierung etwas entgegenhalten will, aber die radikale Aussparung der heiklen Themen auch nicht für eine Lösung hält. Dass für Nord- und Süd-Korea tatsächlich irgendwann eine Wiedervereinigung im Stil von BRD und DDR möglich sein könnte, hält der Rezensent jedenfalls für unwahrscheinlich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2014

Mit Rüdiger Franks Buch über Nordkorea fühlt sich Peter Sturm aktuell und umfassend informiert. Den Autor nennt er einen Kenner der Materie, der auch noch flüssig schreiben kann. Auch wenn Rüdiger Frank dem Rezensenten mitunter allzu subjektiv wird und seine DDR-Biografie zu sehr ausbreitet, scheinen vor allem die Vergleiche zwischen DDR und Nordkorea, die der Autor anstellt, für Sturm durchaus Erkenntnispotenzial zu haben. Darüber hinaus lernt der Rezensent jede Menge über Nordkorea, ohne dass der Autor apodiktisch würde: Sachverhalte, Begriffe, systemrelevante Feinheiten und ideologische Notwendigkeiten. Und was Frank über eine mögliche Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas und die Unvergleichbarkeit mit der deutschen Wiedervereinung notiert, scheint ihm eine gelungene Zusammenfassung bekannter Fakten zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2014

Die Angst vor Helikoptermüttern und vor historischem Vergessen verliert Marko Martin beim Lesen von Jaroslav Rudis deutsch-tschechischer Anarchogeschichte vom Rand des Biedermeiers. Was Rudis auf dem "forever young"-Slogan hängengebliebene Punk-Helden beim Philosophieren über Musik und Frauen und dann an Historischem in der deutsch-tschechischen Grenzregion erleben, hat für den Rezensenten Würde. Der Spott des Autors einerseits, seine "liebevolle" Beschreibungspräzision andererseits lassen Martin den Glauben an ein gutes Gedächtnis des Kontinents so schnell nicht verlieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2014

Christoph Giesen annonciert dieses Buch von Rüdiger Frank als das "bisher beste Nordkorea-Buch, das auf Deutsch erschienen ist". Für den Autor spricht in seinen Augen vor allem, dass er Anfang der neunziger Jahre als Austausch-Student der Humboldt-Uni ein Semester in Pjöngjang verbracht hat und dass er heute als Ökonom noch immer in das Land reist. Sehr interessant findet er auch Franks Berechnungen, wie eine koreanische Wiedervereinigung im Vergleich zur deutschen aussehen könnte. Allerdings ist auch Franks Einblick auf das abgeschottete begrenzt, wie der Rezensent einräumt. Woher plötzliche Anzeichen des neues Wohlstands kommen, die er etwa in der Hauptstadt gesichtet hat, kann er nicht erklären. Aber dass er das zugibt, rechnet Giesen ihm hoch an, der sich sehr an Möchtegern-Experten stört.
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