Aus Nordkorea dringen kaum gesicherte Nachrichten zu uns. Wie sehen die Verhältnisse fernab der Hauptstadt aus? Rudolf Bussmann hat zusammen mit der in der Schweiz lebenden südkoreanischen Journalistin Hoo Nam Seelmann die abgelegene Nordprovinz bereist. Die beiden haben Schulen und Fabriken besucht, Wanderungen in die Berge unternommen. Sie sind Menschen begegnet, die aber kaum auf sie reagierten, Gesichtern, die Fragen aufwerfen - zum Beispiel nach der Situation von Minderheiten und auch danach, was Freiheit in einem Land wie diesem eigentlich bedeutet. Und hier in der Ferne scheint die Mentalitätsspanne zwischen den Freunden in jedem ihrer mit feiner Selbstironie dokumentierten Gespräche auf - mehr als je in Europa.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2021
Rezensent Oliver Jungen bekommt Lust auf Nordkorea mit Rudolf Bussmanns fundiertem Reise-Essay über Historie, Alltag und Zukunft des Landes. Bussmanns Haltung, eine kritische Informiertheit ohne Überheblichkeit, gefällt Jungen ebenso wie seine bildreiche Sprache. Bald fährt er mit dem Autor über unbefestigte Straßen, sieht, wie heißes Wasser in Eimern geliefert wird und fühlt sich wie auf einer Zeitreise in die Entschleunigung. Hungersnöte, Straflager und dergleichen blendet der Autor aber nicht aus, erklärt Jungen. Informationen über die Christen im Land, das Klassensystem und die Risse in der Dauerinszenierung des Staates bietet der Band laut Jungen in "wohlgesetzter" Sprache.
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